Das grosse Rennen um ein Fähreticket über das Kaspische Meer

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Eine Fähre von Baku über das Kaspische Meer nach Aktau, Kasachstan, oder Turkmenbashi, Turkmenistan, spart einem eine Fahrt von 2‘500 km. Das scheint doch eine super Sache zu sein J Es gibt dabei nur zwei Haken. Erstens, Turkmenistan ist sehr restriktiv mit der Erteilung seiner Visas und man kann nur in den gesetzten Tagen des Visums einreisen (z.B. 3. – 7. Juni 2016 ist das Visum gültig; Ein- und Ausreise muss in dieser Frist erfolgen). Zweitens, die Fähren haben keinen fixen Fahrplan sondern legen ab, wenn sie voll sind. Da sie hauptsächlich Cargo transportieren (Eisenbahnwagons und LKWs) sind Passagiere für sie unwichtig (entsprechend ist der Aufwand für ein Ticket). Sobald sich Treibstoff oder Chemikalien unter der Fracht befinden, dürfen sowieso keine Passagiere mitreisen.

Thomas fand in den Foren jede Menge Horrorgeschichten, die er mir natürlich alle erzählen musste. Sehr hilfreich um ganz entspannt an die Sache ran zu gehen 😎 Zwei Wochen nach Fähretickets jagen und dabei jeden Tag in den Hafen fahren um zu sehen, ob eine Fähre da ist. Überfahrten die fünf Tage statt der normalen 21-24 Stunden dauern – wegen schlechtem Wetter, weil die Fähre nicht in den Hafen konnte. 2 Tage um aus dem Hafen zu kommen, 15 Stempel auf unterschiedlichen Papieren hinterherjagend – was für ein Höhepunkt. Und dann noch Unterkunft und Verpflegung: für 220 USD (Person mit Motorrad) kannst du dich glücklich schätzen, wenn du eine Kabine mit Bad kriegst. Meistens kriegt man nicht mal ein Bett und Essen an Bord sei schlecht und teuer.

Nun, die Dame mit den Informationen und der Reservationsliste für die Fähretickets zu erreichen war wirklich keine einfache Sache. Sie geht kaum ran, auch wenn sie einem eine genaue Zeit sagt, wann man wieder anrufen soll. Zufälligerweise gelang es uns aber schon am ersten Tag, sie an die Strippe zu kriegen. Hin und Her gerissen zwischen so schnell wie möglich weg kommen, aber nicht zu schnell, da unser Paket aus der Schweiz noch nicht angekommen war, fanden wir es ganz okay, dass aufgrund des starken Windes (Böen mit bis zu 70 kmh) bis auf weiteres keine Fähre fährt. BBC kündete an, dass der Wind am Samstag nachlassen sollte, was sich bewahrheitete. Samstagmorgen wieder anrufend, erfahren wir, dass tatsächlich bereits eine Fähre abgelegt hat, aber ohne Passagiere aufzunehmen. Wir sollten doch um 5 Uhr wieder anrufen. Wahrscheinlich würde in der Nacht eine weitere Fähre fahren. Wir konnten die Frequenz kaum glauben, da die gängige Meinung ist, dass nach Aktau nur jeder 3-4 Tag eine fährt und nach Turkmenbashi etwas häufiger. Natürlich hat sie um 5 Uhr nicht abgenommen. Es wurde fast 6 Uhr bis wir erfuhren, dass zwar eine Fähre abfährt, aber nur LKW-Fahrer und ihre Fahrzeuge mitnimmt. Aber Morgen, Morgen würde eine fahren, die uns mitnimmt. Wir sollen um 10 Uhr erneut anrufen. Etwas ungläubig waren wir froh noch eine Nacht in Baku zu verbringen, das Hotel war bereits bezahlt.

Sonntagmorgen, 10 Uhr: Sie hätte noch keine Informationen. Wir sollten in 10 Minuten wieder anrufen. Dafür ging sie dann eine halbe Stunde nicht mehr ans Telefon. Dann die guten Neuigkeiten. Ja, wir hätten eine Fähre. Wir sollten innerhalb der nächsten drei Stunden im neuen Hafen von Alat, 80 km südlich von Baku, sein. Das Ticket würden wir dort erhalten. Das war neu, bisher mussten alle ihr Ticket am Ticketoffice in Baku abholen. Packen ging schnell. Die Fahrt gestaltete sich erst sehr langsam, aus der Stadt raus und dann auf einer schlechten Strasse durch die Ölfelder, welcher ihr in  James Bond – The World is not enough sehen könnt. Nach etwas mehr als zwei Stunden seit dem Telefongespräch erreichten wir den Hafen.

Ungläubig bekamen wir dort zu hören, dass es keine Fähre nach Aktau hätte. Wir sollten am nächsten Morgen wieder kommen, dann hätte es vielleicht eine. Aber hallo, sehe ich aus, als ob ich nochmals 160 km fahren wollte??? Wir brachten sie dazu Vika, die Telefondame, anzurufen. Diese sprach erst mit dem Ticketverkäufer, dann mit mir. Nein, da sei keine Fähre für uns. Als ich sie dann fragte, wieso wir in dem Fall im Hafen von Alat stehen, wurde sie ungehalten und verlangte wieder nach dem Ticketverkäufer. Der ignorierte uns nach dem Telefonat eine Weile, fragte dann aber nach unseren Pässen und den Fahrzeugpapieren. 20 Minuten später hatten wir unser Ticket und mussten SOFORT zur Fähre. Unerwarteter Weise zahlten wir nur 180 USD für eine Person mit Motorrad – Essen, Tee und Wasser inklusive. Und, wir erhielten sogar eine Zweierkabine mit Bad. Cool, oder etwa nicht?

Wir wussten, dass wir unsere genehmigten drei Tage für die Motorräder in Aserbaidschan überschritten hatten. Aber waren mit einem Wisch ausgestattet auf dem die Höhe der Busse stand. Diese sollte bei jedem Zollbeamten bezahlt werden können. Sie nahmen die Papiere und winkten uns durch. Schon fast auf der Fähre pfiff man uns zurück. Wir müssten eine Busse bezahlen. Schade, dass es ihnen noch aufgefallen ist. Aber kein Problem, wir hatten es ja gewusst. Nun gibt es anscheinend eine Ausnahme von der Regel mit bei jedem Zollbeamten bezahlen und diese sitzen im neuen Hafen von Alat!

Wir müssten nach Baku zurück um die Busse zu bezahlen. Erst lachten wir, doch denen war ernst. Standhaft weigerten wir uns, da unser Fähreticket verfallen würde und man uns zugesichert hätte, dass wir die Busse an JEDEM ZOLL IN ASERBAIDSCHAN bezahlen könnten. Sie hätten alle Kollegen informiert, dass sie keine Quittungen ausstellen könnten 😎

Es dauerte eine Stunde – etliche Telefonate und rote Köpfe inklusive – bis sie schliesslich eine Lösung fanden und wir unsere Busse bezahlen konnten. Nicht, dass wir eine Quittung dafür erhalten hätten 😉

Doch endlich waren wir an Bord, trafen ein englisches Paar auf einer Yamaha Ténéré, das in der gleichen Richtung unterwegs ist und die Fähre legte tatsächlich ab…

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Auf Wiedersehen, Port Alat

 

Essen, Tee und Wasser was tatsächlich im Preis inbegriffen. Linsensuppe, Nudeln und Hühnerschenkel mit Mayonnaise-Ketchup-Gemisch ertränkt zum Mittag- und Abendessen. Zu Tode gekochte Eier, Brot, eine dicke Scheibe Butter sowie eine Scheibe Käse zum Frühstück.

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Es muss die ruhigste Überfahrt in der Geschichte dieser Fähre gewesen sein. Etwas mehr als 20 Stunden nachdem wir in Alat abgelegt hatten, legte die Fähre im Hafen von Aktau an. Von dem Moment, an dem wir in den Hafen von Alat eingefahren sind, bis zum Verlassen des Hafens von Aktau, brauchten wir 28 Stunden und 30 Minuten. Ganz sicher ein neuer REKORD 😉

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Professor Gul wird zum Anlegen in Position geschoben. Das Hafenbecken ist zu eng für eigenständiges Manöver.

 

Aber unsere 15 Stempel pro Person mussten wir tatsächlich einsammeln. Thomas hat sie gezählt!

 

4 Kommentare zu „Das grosse Rennen um ein Fähreticket über das Kaspische Meer“

    1. Hallo Peter
      Thomas ist immer sehr beschäftigt mit den Motorrädern. Er hat sich aber sehr über die Geburtstagswünsche und auch deine weiteren Kommentare gefreut. Wie steht es denn so bei MM?
      Liebe Grüsse aus Südkorea
      Sandra – im Namen von Thomas

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  1. Hoi Sandra, in deinem Bericht lese ich, dass der Fährbetrieb im Kaspischen Meer etwas komplizierter ist als die BLS-Schifffahrt auf dem Thunersee. Jä nu, ihr seit zum Glück heil und gesund am Bestimmungsort angekommen; ist ja die Hauptsache.
    Hoi Thomas, gib acht, dass du beim Geldtransport keinen Hexenschuss einfängst.
    E liebe Gruess, Ruth

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  2. hallo zämä, chöit dir zwöi übärhoupt no bärndütsch???
    ig wünschä für öich zwöi auäs guäti, guäti fahrt u vüu glück uf öirä witärä reis
    p.s. im fau, üri brichtä si sehr intresant witär so

    u jäz no ä liäbä gruäss

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