Es war einmal… – Teil 1

English Version

Ein kleines, blondes Mädchen, dass von fernen Gegenden und Orten mit magischen Namen wie Samarkand und Taschkent träumte. Grosse Träume von der Wüste, charmanten Prinzen und langen Karawanen beladen mit Seide und Gewürzen.

Inzwischen erwachsen, hat das kleine Mädchen ihren Prinzen längst gefunden. Seine Karawane besteht aus zwei Motorrädern und die Ladung aus Zelt und Kocher 🙂

Und ihr Prinz setzt alles daran, dass sich ihre Träume erfüllen.

Also, hier sind Thomas und ich, der Seidenstrasse folgend, all diese Städte mit Namen, die Jahrhunderte überdauert haben und den Reiz nicht verloren, besuchend.K1600_DSC_0130005

Khiva war die Erste auf unserem Abenteuer Seidenstrasse. Die Nacht davor hatten wir in Urgench, 35 km nördlich von Khiva übernachtet. Um 10 Uhr standen wir bereits vor dem Guesthouse, gemäss Reiseführer die ultimative Unterkunft – über Wochen ausgebucht. Aber für uns hatten sie ein Zimmer. So fanden wir in diesem traditionellen Haus innerhalb der Stadtmauern, direkt neben der Zitadelle, Unterschlupf.

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Seht ihr unsere KTM’s?

Khiva ist eine kleine Perle. Die alte Stadtmauer noch zu über 90% intakt, besitzt die Altstadt sehr schöne Karawansereien und Medressas (Koranschulen).

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Vom Sklavenmarkt, dem die Stadt ursprünglich ihren Reichtum und ihre Existenz an der Seidenstrasse verdankte, ist nichts mehr zu sehen. Aber wir fanden den geschäftigen Bazar, kauften Früchte und Gemüse, sahen uns Teppiche und andere Souvenirs an.K1600_DSC_0186014 Am Nachmittag trafen wir ein Schweizer Paar, Rucksacktouristen, das wir in Aktau kennen gelernt hatten. Wir verbrachten einen sehr netten Abend zusammen.

Da wir uns nach einer kleinen Pause sehnten, beschlossen wir noch einen weiteren Tag in Khiva zu bleiben. Beim sehr reichhaltigen Frühstück unterhielten wir uns sehr nett mit zwei französischen Paaren. Einer der Herren reiste nach seinem Studium per Anhalter von Paris nach Kathmandu. Damals in den 60ern, dem goldenen Zeitalter für Reissende!

Anschliessend unternahmen wir einen weiteren Spaziergang durch die Altstadt. Wir versuchten einen Teil der 16 Museen/Sehenswürdigkeiten, die in unserem 2-Tages-Pass inklusive waren, zu besichtigen. Den frühen Nachmittag, die heisseste Zeit des Tages, verbrachten wir in unserem klimatisierten Guesthouse. Am Abend, als es wieder kühler war, folgte ein weiterer Stadtrundgang. Abendessen gab es auf der Dachterrasse unserer Unterkunft – frischer Salat und Brot – bei herrlicher Aussicht auf die Altstadt.K1600_DSCN3030045

Früh am nächsten Morgen brachen wir Richtung Bukhara auf.K1600_DSC_0229019 Ein Versuch der grossen Hitze wenigstens für eine Weile zu entgehen. Es wurde dennoch eine lange, heisse Fahrt durch die Steppe. Abwechslung bot die kurze Pause mit einem Israeli, der auf einer chinesischen 125er mit österreichischem Nummernschild – wie wir – Richtung Ostsibirien unterwegs ist.K1600_DSC_0232020

Nach 466 km sank die Laune etwas als wir zweimal um das Viertel fahren mussten ohne unsere Unterkunft erreichen zu können. Zu guter Letzt fuhr Thomas an der 5-stufigen Treppe die schmale Kinderwagen-Rampe hoch. Zu sehen wie er es mit seinem Motorrad schaffte, verliess mich der Mut es selber zu versuchen. So habe ich Feigling Thomas meine KTM hochfahren lassen. Alles ging gut, doch dann fehlte knapp der Schwung um mit dem Hinterrad auf die Strasse zu kommen. Das Motorrad fing an zurück zu rutschen. Der Reifen auf der staubigen Oberfläche zu wenig Halt findend. Thomas bremste wie wild und versuchte das Motorrad, immer noch rückwärts rutschend, in einer geraden Linie zu halten. Links ging es nämlich in einen Garten runter. Ich hechtete los um ihm zu helfen, hatte aber nicht genug Kraft um beide zu halten. Hinterrad wieder unten, nur das Vorderrad noch auf der Rampe, entschieden sich Mann und KTM den Garten doch näher zu inspizieren 😉 Beide unverletzt, fuhr Thomas die Rampe hoch wie ein Weltmeister 🙂

Unser Hotel war ganz toll. Eine kleine, frisch renovierte Karawanserei. Zentral gelegen, aber in einem ruhigen Wohnquartier mit leckerem Frühstück. Ich hätte ewig dort bleiben können.

Bukhara, die heiligste Stadt in Usbekistan, ist auf viele Arten anders als Khiva. Der historische Teil der Stadt ist nicht so kompakt und isoliert. Die Altstadt hat drei renovierte Bazars und jedes zweite Haus war früher eine Karawanserei. Die Pracht und der Reichtum der Seidenstrasse so präsent, war es nicht schwer sich die Ankunft einer Kamelkarawane vorzustellen.

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An dem Abend assen wir in einem Dachrestaurant, Schaschlik und Salat sowie Bier mit Kartoffelchips (hausgemacht) geniessend. Etwas sauer stiess uns dann die Rechnung auf, 20% höher als auf dem Menü aufgeführt. Thomas legte den ursprünglichen Betrag hin und wir gingen. Es dauerte einen Moment bis der Kellner uns nacheilte, insistierend, dass wir alles bezahlen müssten. Als Thomas vorschlug, die Sache bei der Polizei zu regeln, gab er sich zufrieden.

Am nächsten Tag durch Bukhara spazierend, die Altstadt geniessend, sahen wir alle Leute wieder, die wir aus Khiva kannten.

Weiter ging es nach Samarkand. Was eine kurze Fahrt und eine frühe Ankunft hätte werden sollen, entwickelte sich zu einem platten Hinterreifen neben der Strasse.

Unsere effektive Ankunft in Samarkand war eine etwas ernüchternde Angelegenheit. Das Hotel war nicht, wo es sein sollte. Es hatte auch nicht den Namen, den es haben sollte. Aber sie hatten unsere Reservation. Das Zimmer war ziemlich heruntergekommen, aber nicht unser schlimmstes. Es stellte sich heraus, dass der Teppich noch Spuren des Vormieters trug und das Badzimmer stinkig, schmutzig war. Wir liessen nochmals putzen, worauf hin wenigstens der Teppich gesaugt wurde. Am späten Nachmittag einen ersten Eindruck von Samarkand gewinnend, nahm der Enthusiasmus weiter ab. Wir kochten im Guesthouse unser eigenes Abendessen und genossen den grossen Vorteil, den die Unterkunft bot: die Terrasse.

Unsere persönlichen Highlights waren dann Shah-i-Zinda, die Strasse der Mausoleen, mit schönen Kachelgräbern und der Bazar mit seinem netten Teehaus.

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So, kleines Mädchen, nun schlaf gut und träum schön von magischen Orten, aber lass dich in Samarkand nicht von Bettwanzen beissen 🙂K1600_DSCN3052001

2 Kommentare zu „Es war einmal… – Teil 1“

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