Im Land von Dschinggis Khan

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Die Mongolei empfing uns mit einem Mix aus blauem Himmel und Gewitter, die bereits anfangs Nachmittag ausbrachen. Ulgii, unser erster Aufenthaltsort, war mit kleinen Mücken verseucht, die ein ausgebildetes Interesse an unseren Augen, Nase und Mund hatte. Einige davon haben sogar gestochen oder gebissen. Zusätzlich, und die darf man unter keinen Umständen vergessen, waren da noch die hundsgewöhnlichen Stechmücken. In einem Gher, einer mongolischen Jurte, zu übernachten tönt garantiert sehr romantisch, bis der Regen den Filz durchweicht hat.

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Da wir jedoch Reifen wechseln mussten – es war eine Schande die runter zu machen – blieben wir einige Tage. Thomas fand niemanden, der besser Reifen montieren mussten – es war eine Schande die runter zu machen – blieben wir einige Tage. Thomas fand niemanden, der besser Reifen montieren konnte als er selber, was er dann auch tat.

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Sieht er nach 15’000 km nicht immer noch gut aus?

 

Um die Mongolei zu durchqueren hat man generell gesprochen drei Möglichkeiten. Die nördliche, die zentrale oder die südliche Route. Aus Distanz- und Wettergründen entschieden wir uns für die zentrale Route. Diese beginnt sehr szenisch und wir genossen die Fahrt bis wir nach etwa 125 km unsere erste Flussdurchfahrt erreichten. Diese war ziemlich tief und schnell fliessend. Thomas watete erst durch um die Durchfahrt zu testen, dann schoben wir die Motorräder – mit laufendem Motor – durch. Nicht mal einen Kilometer weiter stiessen wir auf die nächste Flussdurchfahrt.

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Ähnliche Verhältnisse wie bei der ersten, nur etwas weiter und etwas schneller fliessend. Also wurde das Vorgehen wiederholt, in der Hoffnung, dass keine weiteren folgen würden. Die Hoffnung erwies sich als nichtig. Die dritte Durchfahrt war noch etwas breiter, dafür weniger tief. Das Wasser aber genauso reissend. Diese überwunden, kamen wir an die vierte, wo wir herausfanden, dass es ein und derselbe Fluss war – einfach mit vier Armen. Und diese vierte entpuppte sich als unüberwindbar. Wir müssten einen kleinen Flussarm durchqueren um auf eine Insel zu kommen, dann im Wasser einer weiteren Insel Fluss aufwärts folgen, bevor wir endlich auf die andere Seite queren könnten. In der Mitte der letzten – tiefsten – Furt stand ein Lastwagen mit Anhänger. Wir hätten entweder vor ihm oder hinter ihm durchfahren können. Aber an beiden Stellen war das Wasser sehr tief. Umdrehen war die einzige Option. Ich war total ausgelaugt, als wir endlich das Zelt aufbauten, war ich doch zweimal in den Fluss gefallen, als wir eine Furt suchten. Camping war an dem Abend auch kein Vergnügen, da die winzigen Fliegen und die Moskitos aus hier heimisch waren. K1600_DSC_0578006K1600_DSC_0580007In der Nacht gab es überall um uns herum Gewitter, welche die Flüsse noch mehr ansteigen liessen. Am nächsten Tag waren wir wieder in Ölgii, in der gleichen Unterkunft wie zu vor. Doch der Aufenthalt war nicht mehr ganz so erfreulich. Die Badetücher waren winzig,

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Ist das alles was ich kriege?

das heisse Wasser abgeschaltet und das Restaurant fürs Frühstück nicht geöffnet – dabei hatte man uns extra nach der gewünschten Frühstückszeit gefragt.

 

Diesmal hatten wir uns eingehend nach den Strecken erkundet und entschieden uns erstmal für Süden, also die Südliche Route. Etwas das unsere Karte als „Fernstrasse, nicht asphaltiert“ bezeichnet. Wir haben die Fernstrasse gesucht, konnten aber keine erkennen. Stattdessen fahnden wir zweispurige Fahrwege, die sich an manchen Stellen über einen Kilometer breit in der Landschaft verteilen. Keine Brücken, nur Flussdurchfahrten und Autos/Lastwagen die im Schlamm stecken geblieben sind. All diese gemischt mit jeder Menge Wellblech. Wow, und dass ist eine der drei Lebensadern (verkehrstechnisch) des Landes!

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In Khovd bogen wir nach Nordosten ab. Einer Empfehlung eines Einheimischen folgend, entschieden wir uns für eine Route, die auf keiner unserer Karten existiert. Diese führte uns durch wunderschöne Steppen- und Wüstenlandschaft zu einem Dünengürtel, welchem wir dann nach Osten folgten.

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Uliastay hätte unser nächster Stop sein sollen. Doch die Auswahl an Hotels war so dürftig, dass wir lieber weiterfuhren und dann campten. Wir wären dort gerne nach Norden gefahren und auf die Zentrale Route abgebogen. Doch der Wetterbericht sandte uns mal wieder in eine andere Richtung. Wir fuhren stattdessen nach Südosten, zurück Richtung Südliche Route. Diese erwies sich diesmal jedoch als richtige, asphaltierte Strasse, welche wir in Arvaikheer verliessen. Immer Richtung Süden um den Gurvan Saikhan National Park der Wüste Gobi zu erreichen.

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An unserer ersten Übernachtungsstelle bekamen wir Besuch aus einem der Ghers in unserer Nähe. Der Herr und sein Moped waren auf dem Heimweg. Es war eine ziemlich stumme Unterhaltung und nachdem er verstand, dass wir ihm nicht zu seinem Gher folgen würden – wir hatten unser Zelt schon aufgebaut – düste er, ohne einen Blick zurück, davon. Jedoch nur um eine halbe Stunde später mit einigen selbstfabrizierten Snacks für uns wieder zurück zu kehren.

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Um uns zu zeigen, dass sein Geschenk essbar ist, bediente er sich laut schmatzend erst einmal selber. Er schaute sich nochmals unsere Motorräder an, kehrte dann zu seinem Moped zurück und fuhr davon, ohne sich zu verabschieden.

Irgenwie haben wir das Rundschreiben nicht erhalten, welches informiert, dass es in Saikhan-Ovoo keine Brücke über den Fluss gibt. K1600_DSC_0753045K1600_DSC_0757046

In Mandal-Ovoo fanden wir einen Autofahrer, der Englisch sprach. Wir erkundeten uns nach dem direkten Weg nach Dalanzadgad. Er versicherte uns, dass es keine Flussdurchfahrten gab und er die Strecke mit seinem Prius schafft. Wir fanden bald heraus, dass er dies in der letzten Woche sicher nie versucht hat. Die ganze Gegend war entweder Sumpf oder Fluss. Also drehten wir mal wieder um, die längere Strecke, über Bulgan, nach Dalanzadgad nehmend. Wir schafften es nur mit Mühe durch den Sumpf. In der glühenden Mittagssonne mitten in der Wüste Gobi las ich mir dann einen Platten am Vorderrad auf. Und unser Mitas E-09 Desert wollte einfach nicht vom Felgen runter, damit wir das Loch flicken konnten. K1600_DSCN5023070K1600_DSCN5027071

Nach diesen Anstrengungen waren wir glücklich ein angenehmes Hotel zu finden und uns in Dalanzadgad etwas auszuruhen. Die fortwährenden Gewitter über dem Nationalpark hielten uns davon ab die „Singenden Dünen“ der Gobi zu besuchen. Wir ertränkten unser Elend in Chinggis Grand Khaan, K1600_DSC_0771049bevor wir uns nach Ulan Bator aufmachten. Spät am Abend ankommen, wurden wir gleich aufgefordert uns zu setzen und einen Teller Pasta zu essen. Wir sassen immer noch auf unseren Motorrädern. Echte Overlander-Gastfreundschaft direkt aus Brasilien – danke Eduardo!

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Nach einiger Zeit in UB – Ulan Bator – der besten indischen Mahlzeit ausserhalb von Indien und einigen wirklich netten Bekanntschaften, schlossen wir uns Tony, einem Engländer, auf seiner BWM X-Challenge und Vikram, einem Inder, auf seiner KTM EXC 530 an um nach und eventuell durch Russland zu reisen.

2 Kommentare zu „Im Land von Dschinggis Khan“

  1. Hoi zäme,,
    wenn ich diesen Bericht lese, wird mir klar, dass es euch nun wirklich nie langweilig ist. Für die nächste Etappe wünsche ich euch:
    1. trockene Kleidung,
    2. trockene Kleidung,
    3. keine Stechbiester,
    4. Duschtuchgrösse: 1 x 1,5m
    5. Zimmer MIT Frühstück
    6. u überhoupt e liebe Gruess, Ruth

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    1. Hoi Ruth
      1. Nicht eingetroffen
      2. Nicht eingetroffen
      3. Jede Menge davon. Bloss nicht die Hosen runterlassen 😀
      4. duschtuch wurde noch kleiner
      5. Naja, die Fotos hast du ja wahrscheinlich gesehen 😉
      Aber jetzt geht es angeblich zurück in die Zivilisation

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