In jedem Ende steckt ein neuer Anfang

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Hmm, manche von euch fragen sich vielleicht, wieso mein letzter Bericht etwas unemotional endet. Nun, stellt euch vor, ihr habt – mit allen Umwegen und Sehenswürdigkeiten, die sich unterwegs präsentieren – ein Ziel vor Augen: Magadan.

Jahre des Hoffens und Planens, Monate der Vorbereitung in der wir jede freie Minute mit Reisevorbereitungen verbracht haben. Unser ganzes bisheriges Leben in Schachtel packen und in den Keller stellen. Dann der Abschied, Hochgefühl und Traurigkeit in einem. Hochgefühl, weil wir sind endlich unterwegs… Der Abschiedsschmerz ist halt dennoch da.

Nach 126 Tagen, 22‘598 km, zahllose Abenteuer und Begegnungen später, ist der letzte Tag da. Ich steh am Morgen auf, schaue aus dem Fenster und denke: Mann, heute muss ich 625 km schaffen. Hoffentlich ist die Strasse gut. Und bitte, kein weiterer Regen.

Kilometer um Kilometer, Stunde und Stunde, sitze ich auf meiner KTM. Mein Hintern tut weh und die Blasen an meinen Händen – die ich seit gestern habe – schmerzen.

Die Distanz auf meinem Navi will einfach nicht kleiner werden. Nach der zweiten Pause schaue ich drauf. Oh wow, nur noch 198 km bis Magadan.

„Thomas, Thomas, keine 200 km mehr bis Magadan! Kannst du glauben, dass wir bald da sind?“

Und plötzlich ist sie da, die Freude, die Ungläubigkeit, dass wir es fast geschafft haben. Nun bloss kein Blödsinn – keine Platten, keinen Sturz, nur noch gute Strasse. Diese letzte Hoffnung erfüllt sich zwar erst auf den letzten Kilometern aber trotzdem.

Und dann, das Strassenschild: Магадан

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Etwas weiter die offizielle Stadteinfahrt:K1600_DSCN5295002

Hip hip Hurra!!!

Judihui!!!!

WIR SIND DA!!!!!!

WIR HABEN ES GESCHAFFT!!!!!

Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich. Adrenalin fliesst durch die Adern und das dämliche Grinsen will einfach nicht aus dem Gesicht weichen. Ich kann es nicht für mich behalten. Immer wieder muss ich mir sagen: Hey, du bist in Magadan. Wir haben es geschafft. Die Motorräder sind noch in einem Stück und wir auch!

Es braucht den ganzen Abend bis ich wirklich in Magadan ankomme.

So, dass ist also unser ENDE. Magadan.

Und damit kommt der neue ANFANG. Was machen wir nun? Klar, die Motorräder müssen erst mal nach Vladivostok, denn die 3‘000 km zurück fahren und dann weitere 2‘000 auf Asphalt nach Vladivostok machen wir nicht. Diese 5‘000 km können wir irgendwo anders interessanter fahren.

Also beginnt die Planung wieder. Optionen abwägen und diskutieren. Wo wollen wir hin? Wie wollen wir es machen?

Und alles muss im Moment schnell gehen, denn alle andern wissen, wie es bei ihnen weitergeht.

So sind wir am Montag beim Motorrad waschen, während Gaby Fähren, Flüge und Unterkünfte prüft. Aleksey, Präsident des örtlichen Biker-Klubs „Polar Owls“, ist unser Führer, Helfer, Manager. Er findet uns einen Schiffscontainer, hat eine Lademöglichkeit für die Motorräder, kennt alle und jeden in Magadan. So kommt am Dienstagmorgen um 9 Uhr ein LKW mit unserem Container. K1600_DSCN5307007Die 6 Motorräder sind bis Mittag eingeladen und vertäut, dann gehe ich mit Aleksey zum Dokumente kopieren und im Hafen die notwendigen Stempel besorgen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es ist mir ein letzter Blick auf den Container vergönnt.

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Tschüss, bis bald in Vladivostok

Abends wird dann gebührend gefeiert.

Mittwoch regnet es in Strömen. Aber das ist okay, denn die Motorräder sind verladen. Wir verbringen den Morgen bei einer privaten Führung im lokalen historischen und naturhistorischen Museum, wo wir sehr viel über das Gulag-System erfahren.

Und die Planung? Naja, die hinkt immer noch etwas hinterher 😉 Im Moment haben wir ein Flugticket nach Vladivostok und ein Fähreticket für Thomas und mich nach Südkorea. Doch die Motorräder haben kein Fähreticket, denn Thomas, als deutscher Staatsangehöriger, darf in Südkorea nicht Motorrad fahren. Nun versuchen wir es mit Thomas, dem Schweizer Staatsangehörigen. Doch die Lady in Vladivostok antwortet nicht mehr.

Aber da ist auch noch das Angebot von Vladivostok nach Vancouver. Sehr günstig. Wäre das die bessere Option?

Naja, wir haben noch ein paar Tage Zeit. Noch haben wir keine Bestätigung, dass die Motorräder bereits unterwegs sind. Der heftige Wind verzögert die Abfahrt. Das Schiff ist noch in der Bucht vor Anker.

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