Tokio – nicht länger „zwischen den Welten“ (Lost in Translation)

English version

Da wir bei unserem ersten Japan-Urlaub, 2003, bereits mehrere Tage in Tokio verbracht hatten, wollten wir diesmal eigentlich gar nicht in die Stadt, sondern mit dem Mietauto gleich vom Flughafen losbrausen. Doch da hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Internationale Führerschein der Schweiz war in Japan nicht gültig. Wir würden uns in Tokio erst eine offizielle Übersetzung besorgen müssen.

Als wir in Narita aus dem Flugzeug stiegen war es später Nachmittag. Bis wir im Hotel ankamen tiefe Nacht. Nicht, weil die Fahrt so lange dauerte, sondern weil die Sonne bereits um 17.20 Uhr unterging. Wir waren angenehm situiert, in einem richtigen Hotel mit eigenem Bad, nur 10 Gehminuten vom lebhaften Viertel Asakusa entfernt.

Am ersten Morgen zogen wir gleich los um diese Übersetzung zu organisieren. Davon hing schliesslich ab, ob wir mit einem Mietauto weiterziehen konnten oder auf Japan Rail umsteigen würden. Bei der JAF (Japan Automobile Federation) war alles einwandfrei ausgeschildert. Die Dame begrüsste einem mit einem Lächeln und 5 Minuten später stand man wieder auf der Strasse, mit einem Abholticket für die Übersetzung (90 Minuten später). Ruckzuck ist man wieder in der Stadt und kann sich seinem Touristen-Programm widmen.

Tony, unser Freund aus England, war seit einigen Tagen mit seinem Motorrad in Tokio. Ihn trafen wir auf einen Kaffee bevor wir unsere Führerscheinübersetzung abholten. Am späteren Nachmittag schlenderten wir etwas durch Asakusa,

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Senso-ji

tranken zum Sonnenuntergang ein Bier unten am Fluss – gleich in der Nähe der „goldenen Karotte“

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Die „goldene Karotte“

und trafen uns mit Tony zum Abendessen. Wir besuchten ein Restaurant, das den Vorgänger der Touchscreen-Kioske von McDonalds installiert hatte. Geld einschmeissen, dann leuchten die Tasten der Gerichte und Getränke auf, die man sich damit kaufen kann. Tasten drücken, Zettel und Rückgeld nehmen. Zettel am Tresen abgeben, Tisch suchen und wenn die Nummer aufgerufen wird, Essen/Trinken holen. Durchdacht und einfach, denn für die Touristen hat es Plastikmenüs

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Plastikgerichte zur visuellen Animation – oder als Speisekare für Touristen

mit Nummern, die dann auf den Tasten stehen.

 

 

Ein weiterer Tag in Tokio sah uns relaxen, die Touristeninformation aufsuchen um eine Landkarte von Japan zu erhalten, mit Tony um den Kaiserlichen Palast sowie das Elektronikviertel Akihabara spazieren und noch mehr relaxen 😉

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Nun ist es aber so, dass Tony am Ende weniger interessiert war an der Elektronik sondern sich vielmehr von den „Dienstmädchen“, die auf der Strasse versuchten Kunden für ihr Maid Café zu angeln, und den Erwachsenen-Unterhaltungsläden, die hier oft Adult Lifestyle Shops heissen, fasziniert war, die hier zwischen den elektronischen „Spielwaren“ angesiedelt waren. Die Erwachsenen-Unterhaltungsläden werden ohne Scham betreten, egal ob verheiratet, liiert, single, Pärchen, allein, jung, alt, sehr alt – jeder geht rein 🙂

Wer hat den Film „Zwischen den Welten (Lost in Translation)“ nicht gesehen? Es ist schon fast ein Kultfilm, auf jeden Fall für Japan-Interessierte. Aber heute verliert sich niemand mehr im „japanischen“ Dschungel, auf jeden Fall nicht in Tokio. Heute sagt einem Google Map mit welcher U-Bahnlinie man wohin kommt und was es kostet. Der Ticketautomat der Metro, der einem früher graue Haare bescherte, spricht heute Englisch. Hilflosigkeit für den Touristen gibt es praktisch keine mehr. Tokio spricht und schreibt English.

Doch nicht enttäuscht sein, es gibt immer noch genug „Fremdes“ zu erforschen. Tokio bleibt exotisch!

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