BIEST im Wilden Westen

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Wir konnten nicht mehr länger warten, sondern MUSSTEN einfach wissen, ob die Amerikaner mich wieder einreisen lassen würden oder nicht. Der nächste vernünftige Grenzübergang war nach Buffalo, New York. Diesmal hatten wir eine Dame. Korrekt, aber nicht wirklich freundlich, bescherte sie uns eine der grössten Überraschungen all unserer grenzgängerischen Aktivitäten.

Thomas übernahm die Führung. Er reichte ihr beide Pässe durchs Fenster. Meiner Meinung nach betrachtete sie uns eher misstrauisch.
„Wo wollen Sie hin?“
“Ähm, in die USA?!?” War doch offensichtlich, nachdem wir aus Kanada kamen und das Motorrad Richtung Buffalo stand. Was wollte sie wirklich wissen???”
“Was machen Sie beruflich?”
“Ich bin Maschinenbau-Ingenieur und meine Frau ist Projektleiterin.”
„Wo wohnen Sie?“
„In der Schweiz.“
Sie reichte Thomas die Pässe zurück und winkte uns durch.K1600_DSCN82615

Die kleine Stimme in meinem Kopf fing an sehr laut zu schreien:
„Halt, halt, nicht so schnell. Ich habe doch all diese Dokumente extra für den Grenzübergang auf meinem Handy! Die Kontoauszüge, um zu beweisen, dass ich genügend Geldmittel habe. Die Besitzurkunde für unser Haus in Wünnewil.“
Unsere Bank war sogar so nett uns mit einem Hypothekennachweis auf Englisch auszurüsten.

Für einmal folgte mein Mund der Stimme in meinem Kopf nicht, sondern blieb glücklicherweise stumm 😀

Während Thomas uns vom Zollhäuschen wegfuhr, drehte ich mich laufend um, nervös über die Schulter blickend. Überzeugt, dass irgendein schwerbewaffneter, gemeiner Kerl hinter einem Busch rausspringen und uns, Knarre im Anschlag, zum Anhalten zwingen würde. Schliesslich bin ich doch nach amerikanischen Massstäben schon fast eine Terroristin…

Es dauerte nicht lange bis mich die nächste Panikattacke erfasste.
„Sie hat meinen Pass nicht abgestempelt.“
Thomas musste einen Platz zum Anhalten finden, damit ich es überprüfen konnte.
„Tatsächlich, so ein Schlamassel, kein Stempel im Pass. Oh nein, jetzt bin ich auch noch illegaler Ausländer…“
Na, das passt ja 😎

Ein herzhaftes Frühstück und viel gutes Zureden von Thomas waren nötig um mich zu beruhigen. Dann fing ich zu fluchen an. All die schlaflosen Nächte und all die Horrorszenarien, die ich mir ausgemalt hatte – UMSONST :-S

Das Navigationssystem zeigte später einen Stopp von 1 Minute und 38 Sekunden.

Da waren wir also, etwas überwältigt, wieder in den USA. Noch war es nicht ganz an der Zeit, die KTM’s in Richland, Washington, wieder abzuholen. Dafür erlag ich dem Sirenengesang des Westens. Er klang laut und deutlich in meinen Ohren.

Durch New York, Pennsylvania, Ohio und Indiana hielten wir uns an kleinere Strassen. Dann in Illinois, knapp westlich von Chicago, gaben wir auf. So würden wir nie im Westen ankommen. Die I-80 führte uns westlich nach Iowa City, dann über die I-380 nördlich nach Cedar Falls. Weiter ging es, immer noch Richtung Norden, auf der US 218 und 18 zur I-35. Wir durchquerten Iowa und die Hälfte von Minnesota, bevor die I-90 uns in einer geraden Linie nach Westen zur Ausfahrt SD 131 und auf die SD240 führte. Der Badlands-Nationalpark stand nicht auf unserem Wunschzettel für Süddakota, was sich als GROSSER Fehler erwies. Die Landschaft ist ätherisch, eher von einem fernen Planeten als hier von der Erde.

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Zumindest bis man auf die erste „Stadt“ der putzigen Präriehunde stösst.K1600_DSCN79708 Leider hatten wir keine Verpflegung dabei, vor allem kein Wasser. So war es uns nicht vergönnt diese aussergewöhnlichen Landschaftsszenen im wechselnden Licht des schwindenden Tages zu sehen.

Wall trumpfte mit einem gut ausgerüsteten Campingplatz sowie einem Supermarkt in Laufdistanz auf. Natürlich, „mussten“ wir uns den historischen Wall Drug Store anschauen.

Bedauerlicherweise war der „National Grassland Visitor Center“ schon geschlossen und das Wounded Knee Museum, weswegen wir eigentlich überhaupt in Wall endeten, an eine unbekannte Adresse umgezogen.

Weiter ging es, immer Richtung Westen. Zum Mount Rushmore, dem erwarteten Highlight von Süddakota. Doch das war ein weiterer Fehler unsererseits. Wie Thomas es so schön ausdrückte: „Was, die sind nicht grösser???“. Denn während die meisten Dinge in den USA überdimensional ausfallen – Kartoffeln, Pickup’s, Motorräder, Strassen – galt das nicht für die Köpfe am Mount Rushmore.

Die Landschaft der Black Hills linderte unsere Enttäuschung etwas. Aus einer Laune heraus fuhren wir durch den Custer State Park weiter nach Nebraska. Und der State Park schenkte uns einen weiteren unerwarteten Höhepunkt in Süddakota. Bison, echt und ganz nah!

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Fort Robinson, Nebraska, versorgte uns mit einem Campingplatz für die Nacht. Sicher, der State Park mag für Amerikaner interessant sein. Doch von dem kleinen Grenzfort, das in so vielen meiner Bücher vorkam, ist praktisch nichts mehr übrig. Zwei Gebäude, beide abgeschlossen, mehr nicht.

Unsere Reise nach Süden hatte mit dem Custer State Park begonnen. Mark, unser Freund in Santa Fe aber ursprünglich aus Nebraska, hatte uns einen Besuch von Carhenge – sollten wir in der Gegend sein – empfohlen.K1600_DSCN810550 Carhenge befindet sich nördlich von Alliance, Nebraska. Gebaut von einer Familie im Gedenken an den Vater, stellt es ein exaktes Replikat von Stonehenge in England dar.

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Dann gingen uns die Sehenswürdigkeiten aus! Auf dem Weg nach Süden, durch Colorado, waren keine weiteren notiert. Aber ich hatte in Fort Robinson eine Ausgabe des staatlichen Nebraska-Führers mitgenommen. Und der malte uns ein ganz anderes Bild. Der Oregon Trail war nur ein „paar“ Meilen südlich von uns.

Dann gingen uns die Sehenswürdigkeiten aus! Auf dem Weg nach Süden, durch Colorado, waren keine weiteren notiert. Aber ich hatte in Fort Robinson eine Ausgabe des staatlichen Nebraska-Führers mitgenommen. Und der malte uns ein ganz anderes Bild. Der Oregon Trail war nur ein „paar“ Meilen südlich von uns.

Fröhlich unseres Weges fahrend, sahen wir Chimney Rock schon von weitem.K1600_DSCN810951 Den Fluss North Platte überquerend, näherten wir uns ehrfürchtig. Angeblich sieht man den Felsen vom Oregon Trail schon aus 64 km Entfernung. Einer der grossen Orientierungspunkte für die Wagenzüge auf dem Weg nach Westen. Für mehr als 250‘000 Siedler bedeutete er nur weitere Anstrengungen und Entbehrungen. Nicht so für uns. Zügig legten wir die Strecke zum Scotts Bluff zurück.

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Das Besucherzentrum zeigt einen tollen Film über die Geschichte. Die Fahrt auf den Bluff lohnt sich. Aber es ist die Geschichte, die es mir angetan hat. Der sagenumwobene Pony Express kam hier durch, genau wie der Oregon-, der Mormonen- und der Kalifornien-Trail. Wenn man etwa einen Kilometer vom Besucherzentrum wegspaziert, kann man die Spuren, die die Tausenden von Wagen in den Fels am Mitchell Pass gegraben haben, immer noch sehen.

Wir fanden einen netten Campingplatz in Scottsbluff, mit einem Dach für unser Biest – falls es regnen sollte. Kaum fertig mit dem Abendessen fing der Himmel tatsächlich zu lecken an. So zogen wir uns ins Zelt zurück. Gerade am Einschlafen, donnerte eine Harley, mein Trommelfell beschädigend, an unser Zelt.

“Hey Zeltleute, das ist ein tolles Stück Land, das Ihr Euch da zugelegt habt. Was dagegen, wenn ich mein Motorrad unter euer Vorzelt stelle?“
Unser Vorzelt? Da ist kein Platz für ein Motorrad…
“Wie bitte?”
“Naja, euer Motorrad steht so schön im Trockenen…”
Oh, das Vorzelt!
“Klar, kein Problem.
Da ist genug Platz?”
Natürlich musste er seine Krawalltüte direkt neben unseren Köpfen wieder starten.K1600_DSCN813259Es gibt erstaunlich gerade Strecken über hunderte von Kilometern. Kimball (Nebraska), Brush (Colorado) und Limon (Colorado) zogen an uns vorbei, während wir versuchten der sich nähernden Gewitterfront zu entwischen.K1600_DSCN81421 Wir schafften es in ein Motel in La Junta bevor der schwarze Himmel von Blitzen erhellt wurde und Donner rollte.

Am nächsten Morgen bogen wir Richtung New Mexico ab. Zwei Tage in Taos standen auf dem Programm. Es war eine kalte und teilweise nasse Fahrt, der noch mehr Regen in Taos folgte. Die Sonne schien am letzten Nachmittag, als wir einen kleinen Spaziergang durch das historische Zentrum machten.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein fuhren wir über die High Road (to Taos) südwärts nach Santa Fe.

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Durch die Stadt zu fahren war ein wenig wie Nachhause kommen. Wir wussten, wo wir waren 😉

Joanne hatte uns ihr Gästezimmer für unseren wöchigen Aufenthalt angeboten. Nahmen wir natürlich gerne an. Wir genossen unsere Woche in Santa Fe, auch wenn es mit dem Verkauf der BMW nicht klappte.

 

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