Unser “Continental Divide Ride”

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Mit Continental Divide ist die nordamerikanische kontinentale Wasserscheide gemeint, welche sich den Rocky Mountains entlang zieht. Im Westen der Wasserscheide fliesst alles Wasser in den Pazifik. Auf der Ostseite fliesst alles Wasser in den Golf von Mexiko sowie den Atlantik. Die „Great Continental Divide Adventure Route“ ist eine motorisierte Route die möglichst nahm dem „Continental Divide National Scenic Trail“ folgt. Dieser Wanderweg läuft von der amerikanischen/mexikanischen Grenze bis nach Kanada und führt 4‘427 km durch die Wildnis. Die motorisierte Route besteht hauptsächlich aus kleineren, nicht-asphaltierten Strassen und kleinen Landstrassen. Perfekt für unsere Reise nach Süden, da die Route durch fünf Staaten führt: Montana, Idaho, Wyoming, Colorado und New Mexico.

Unser Enthusiasmus wurde nur wenige Meter nach dem Grenzübergang drastisch gebremst. Strassensperre wegen aktivem Waldbrand! Und wir dachten, wir hätten dieses „Problem“ in Kanada gelassen. Eine kurze Suche im Internet belehrte uns eines Besseren. Der ganze Norden von Montana stand unter dem gleichen Feueralarm wie British Columbia. Erst ab Helena, der Hauptstadt, war die Benutzung des CDR (eine der gängigen Abkürzungen für die „Great Continental Divide Adventure Route“) wieder legal. Wir hatten in den letzten Wochen genügend Rauch geschluckt und abgebrannte Waldflächen gesehen… Also fuhren wir auf Asphalt bis Helena.

Der erste Tag auf der CDR brachte einiges an Überraschungen. Wir hatten uns mit der genauen Auswahl der Route schwer getan, weil es drei Kategorien gab: Normal, einfach und schwierig. Da wir mehrfach gehört hatten, die CDR sei für grosse Motorräder (sprich, unser BIEST) geeignet, nahmen wir die normale Route. Diese wiederum stellte sich als überhaupt nicht für grosse Motorräder geeignet heraus. Genau die richtige Herausforderung für mich, wo ich Felsen, Geröll und grobe Steine unter meinen Rädern einfach LIEBE 😎 Merkt ihr den Sarkasmus??? Gemein ist dann noch, dass es auf den Bildern überhaupt nicht schlimm aussieht. UND, verflixt, wieso habe ich nicht die Linie genommen, die so offensichtlich besser aussieht?

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Am Nachmittag wurden wir mit einer weiteren Raffinesse der CDR bekannt gemacht: MATSCH! Von der ganz netten Sorte. Die Oberfläche ist trocken und sieht fest aus. Darunter: Schlamm in der Konsistenz von Schmierseife!K1600_DSCN932420

Als wir das nächste Mal die einfache Route kreuzten, bogen wir auf diese ab – sie führte von einigen extrem schwarzen Wolken weg 😉 Doppelter Benefit, wie wir später lernten. Zwei Jungs auf neuen Honda Africa Twins waren frustriert am Bier trinken – sie hatten die normale Route von Süd nach Nord in dem Abschnitt nicht geschafft. Zu steil, zu steinig und zu ausgewaschen.

In den USA gibt es Orte, die sind so winzig und „am Ende der Welt“, dass ich immer wieder staune, dass sie auf einer Karte erscheinen. Noch mehr staune ich, dass eines der fünf Häuser, die den Ort ausmachen, ein Hotel-Restaurant-Bar ist.

Und das zweite Haus gehört zum RV-Park! Und es gibt kaum einen Ort in den USA, an den die Amerikaner mit ihren riesigen Campern nicht fahren.

Montana– Big Sky Country – Land des weiten Himmels (oder einfach weites Land)

wurde bald, nach dem kurzen Stück durch Idaho,

von einer noch weiteren, einsameren Landschaft abgelöst. Wyoming, der bevölkerungs-ärmste Staat der USA. Die 585,501 Einwohner des flächenmässig zehntgrössten Staates (253‘335km²) machen nur 0,18% der Gesamtbevölkerung der USA aus. Im Vergleich dazu leben in Deutschland 82,67 Mio. Menschen auf 357’376 km² und in der Schweiz 8,37 Mio. auf „nur“ 41’285 km². Die Schweiz wäre grössenmässig auf Platz 42 der US-Staaten, Einwohnermässig jedoch auf Platz 13. Wie geht das Sprichwort? „Vom hören sagen lernt man lügen“. Angeblich gibt es keine landschaftlich schöne Route durch Wyoming. Macht euch selber ein Bild…

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Colorado, eine der US-Traumdestinationen eines jeden Geländefahrers. Doch der erste Tag auf dem CDR war nichts Aussergewöhnliches. Wir genossen jedoch unsere Pause in Steamboat Springs, hocherfreut über den Gratis-Bus der unseren Campingplatz mit der Stadt verband.

21. August 2017: Tag der vollständigen Sonnenfinsternis über Nordamerika. Leider waren wir zu weit im Süden für eine 100%, doch für 95 – 97% sollte es reichen. Klassisch, 90 Minuten vor Beginn der Sonnenfinsternis fahre ich mir einen Platten ein – am Hinterrad noch dazu.K1600_DSCN944440 45 Minuten davor quellen über uns die Wolken – Sonne weg.
35 Minuten vorher hängt der kaputte Schlauch noch an meinem Motorrad. K1600_DSCN94494120 Minuten davor rasen wir über die County Road dem Sonnenschein hinterher.
5 Minuten vorher – runter vom Motorrad, raus aus der Jacke, Sonnenbrille unter den Helm, Sonnenvisier runter und Kamera in Anschlag. Trotz mehrfach Schutz können wir jeweils nur kurz in die Sonne schauen. Und die Kamera macht die seltsamsten Aufnahmen 😎

Doch wir sind hier, sehen es. Und fahren bald unter einem seltsamen Schatten weiter.K1600_DSCN946744

Die Landschaft wurde abwechslungsreicher, die Fahrerei stellenweise etwas anspruchsvoller. Doch wirklich toll wurde die Landschaft, als wir von der CDR auf unsere alte Strecke vom TAT (TransAmerica Trail), den wir 2013/14 gefahren sind, abbogen. Unter regenschweren Wolken ging es zum Cinnamon Pass hoch und auf der anderen Seite runter über Animas Forks (Geisterstadt aus der Goldrauschzeit) nach Silverton.

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Den ersten Schauer warteten wir unter dem Dach eines Motels ab, für den zweiten hatten wir mit dem Brown Bear Café einen lokalen Favoriten erwischt.

Der Nebel verhinderte am nächsten Morgen einen frühen Start. Doch endlich riss der Himmel etwas auf. Es wurde ein ganz toller Tag, fahrtechnisch, landschaftlich und vom Wetter her.K1600_DSC_03566 Die Gegend um Silverton ist voll mit kleinen Pfaden, Wegen und Strassen, die zur Bewirtschaftung der Minen notwendig waren. Diese Minen, heute verlassen, bieten zusätzlich interessante Pausen.

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Das Wetter war nicht verheissungsvoll als wir Silverton wieder verliessen. Am Engineer-Pass (3’901 m), den wir am Vortag bis zum Aussichtspunkt gefahren waren, beschloss meine KTM unser Verhältnis auf eine neue, sehr intime Ebene zu heben. Am Ende einer engen, steilen Haarnadelkurve beschloss sie einen Rollentausch und versuchte mich zu reiten. Das Resultat war nicht berauschend, lag ich doch – zurück am Beginn der Kurve – unter ihr begraben 🙂 Das Schwierigste war schliesslich, die Fahrer der Fahrzeuge hinter mir dazu zu bewegen das Motorrad von mir runter zu hieven. Voller Schlamm, nach Benzin stinkend und mit leicht schmerzenden Rippen hatte ich während der Weiterfahrt ein ernsthaftes Gespräch mit meinem Motorrad 😀

Am nächsten Morgen fühlten sich die Rippen besser an. Also setzten wir unsere Fahrt auf der CDR fort. Eine Entscheidung, die ich am frühen Nachmittag, weit weg von möglichen Übernachtungsstellen, bereute. Die Route war im Verlauf des Morgens unebener geworden. Der New Mexico-Teil versprach neben Montana das anstrengendste Teilstück zu werden.

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Je länger ich fuhr, umso mehr spürte ich jede kleine Erschütterung. In Abiquiu sah sich Thomas gezwungen uns ins einzige Hotel im Ort, dem teuersten der bisherigen Reise, einzumieten. Ha, das Zimmer war nicht so toll wie der Preis versprach und das Bett so weich, dass die Matratze auf meine Rippen drückte – egal wie ich lag.

Es war klar, dass ich in nächster Zeit nicht auf die CDR zurückkehren würde. Stattdessen fuhren wir nach Santa Fe, wo wir eine Woche in den Santa Fe Suites verbrachten. Sehr angenehmes Zimmer mit Frühstücksbar und kleiner Küchenzeile. Der Supermarkt ist nur durch den Parkplatz vom Hotel getrennt. Dann, am 3. September, konnten wir in unser neues Heim einziehen.

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Wohnzimmer und Küche

Etwas teurer als die letzte Casita, etwas älter, aber dafür ruhiger gelegen und nur 15 Minuten zu Fuss von der Plaza.

Hier bleiben wir erstmal bis Mitte Oktober.

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