Thomas, der gute Onkel Doktor

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Okay, am Motorrad rumbasteln ist nicht meine Stärke. Ich verbrachte die Tage in Cuauhtémoc mit Spanischunterricht, Bilder sortieren und beschriften, Filmchen für meinen Neffen Henry erstellen und anderen Kleinigkeiten. Von denen gab es genügend, damit auch mir nicht langweilig wurde.

Thomas hatte Miguel, unserer guten Seele, eine Liste mit Werkzeug gegeben, die er benötigte um den Motor zu zerlegen. Miguel war prompt im Liefern.

Miguel, Thomas und Armando

 

Den Motor zu zerlegen brauchte seine Zeit. Erste Analysen zeigten – NICHTS! Die Kipphebel, der Zylinderkopf, der Zylinder, der Kolben und die Kolbenringe sehen alle gut aus. Oberes und unteres Pleuellager waren ebenfalls spielfrei und okay. Nun musste der Motorblock gespalten werden (schaut euch die Bilder an…)

Diashow: Der Doktor und seine Patientin

Alles war zerlegt. Der Patient lag in Einzelteilen im Raum “verstreut” – in der typisch organisierten Art und Weise von Doktor Thomas. Schuld am ganzen Drama: eines der Kurbelwellenlager.

Wir spazierten zum örtlichen Honda-Händler – synthetisches Motorenöl und Kühlerflüssigkeit mussten her. Anschliessend versank Thomas in die Welt der Online-Lieferanten. Bald fanden wir heraus, dass Lieferungen in und nach Mexiko WOCHEN dauert. Der schnellste und günstigste Weg: in den USA bestellen, nach El Paso (Texas) schicken lassen, mit dem Bus hinfahren und die Teile abholen. Tönt doch einfach – die Busfahrt dauert „nur“ 7 Stunden. Einer der Herren, die Thomas in seinem Kabäuschen besuchten, lief uns über den Weg. Er wollte wissen, wie alles lief. Wir erzählten ihm von unserem Plan. Er winkte ab, seine Mutter sei derzeit in El Paso bei ihrer Freundin zu Besuch. Sie würde die Ersatzteile gerne für uns aus El Paso mitbringen. Die nette Dame hätte auch kein Problem, wenn nötig, auf unser Paket zu warten. So kam unser Weihnachtsgeschenk dies Jahr etwas früher;-) Klar, mussten wir immer noch etwas warten. Aber längst nicht so lange…

Thomas konnte sich weiter mit den Motorrädern beschäftigen und ich – naja, wie immer. Ausserdem hätten wir dann auch die Möglichkeit einfach etwas zu entspannen.

Wartung an Tom’s KTM war gemacht.

Das Reinigen und Vorbereiten an meinem Motorrad ebenfalls. Ausserdem installierte Thomas noch jedem eine winzige Reihe roter LED-Lämpchen. Unsere eingebauten Rücklichter sind nicht sehr hell und jeder Versuch, sie mit LED-Birnen aufzuhellen, ging daneben. Nun haben wir – zwischen Nummernschildbeleuchtung und Nummernschild – diese LED’s, die auch funktionieren, wenn das Rücklicht nicht geht. Eine Weise Investition von einem Franken pro Motorrad nachdem ich ohne Rücklicht von der Baja-Fähre fahren musste.

Nach zwei Wochen Sonnenschein verschlechterte sich das Wetter. Erst war es bewölkt, dann fing es an zu nieseln. Die Temperaturen sanken. Doch wir waren gut aufgehoben in unserem Zimmer mit Heizung. Natürlich hatte die Auslieferung der Ersatzteile, wegen schweren Stürmen in den USA, Verspätung. Das Warten ging also weiter. Thomas unternahm einige Versuche beide Hälften des kaputten Lagers zu entfernen, war aber am Anfang nicht erfolgreich. Zum lokalen Motorradguru wollte er damit aber auch nicht, aus Angst vor der Anwendung roher Gewalt an meinem Motor. So verbrachte er einen Tag mit recherchieren und zeichnen. Da wir inzwischen fast alle Werkzeug-, Eisenwaren- und Altmetallhändler kannten, war es kein Problem eine Werkstatt zu finden, die sein Spezialwerkzeug herstellen konnte.

Die Temperaturen fielen weiter und mit ihnen – SCHNEE! Zum ersten Mal in mehr als 10 Jahren.

Die Polizisten bei uns im Hotel waren wie die kleinen Kinder am Rumtollen und Schneebälle flogen unkontrolliert durch die Gegend. Natürlich sollten unsere Ersatzteile genau in diesem Wetter ihren Weg von El Paso nach Cuauhtémoc finden. Die Putzfrauen schlichen über die eisverkrusteten Kacheln vor den Zimmern. Niemand hatte die kurze Tauphase genutzt um etwas Schnee zu beseitigen. Miguel informierte uns, dass unsere Ersatzteile dennoch an dem Tag kommen sollten. Niemand hatte damit gerechnet, dass Armando – der Hotelmanager, dessen Mutter unsere Ersatzteile aus El Paso brachte – diese direkt in unser Zimmer liefern würde – auf Ledersohlen 😀 Kaum war er weg, hörten wir das sehr vertraute Geräusch von Schneeschaufeln…

Jetzt ging es so richtig an die Arbeit. Das Spezialwerkzeug funktionierte, das Lager wurde ersetzt. Nun musste alles wieder zusammen gebaut werden. Ein kurzer Stressmoment entstand als Thomas mit einem Mitglied von ADVrider in Kontakt trat, der in der Nähe war. rtwPaul (um die Welt Paul) und seine Freundin Egle, unterwegs auf zwei Suzuki DR650, schickten uns eine nette Mitteilung: „Wir kommen und hoffen, am nächsten Tag mit Euch weiterfahren zu können.“ Uhu, noch war meine KTM in zu vielen Teilen um zu fahren.

https://thomasbinkle.smugmug.com/frame/slideshow?key=QbTdHL&autoStart=1&captions=1&navigation=0&playButton=0&randomize=0&speed=5&transition=fade&transitionSpeed=2

Doch vor der Ankunft der beiden baute Thomas den Motor wieder ein. Alles angeschlossen, Motorenöl und Kühlwasser eingefühlt. Anlasser drücken. Und….

Juhui, da ist sie wieder. Altbekannt, geliebt und voll einsatzfähig.

 

 

 

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