Kupferschlucht (Barrancas del Cobre) – wo Mexiko gefährlich sein kann

Noch bevor die KTM wieder voll einsatzfähig war, überschlugen sich bei uns die Ereignisse etwas. Zum einen waren da ja Egle und Paul, die bei uns vorbei kommen wollten. Zum anderen wurde Thomas über ADVrider informiert, dass in Chihuahua Hilfe für uns bereitstünde. Diese Nachricht führte dann zu einem erstaunlichen Telefongespräch mit Tury von Motorrad Chihuahua. Sein Motorradklub hätte eine voll ausgerüstete Werkstatt, die wir benutzen könnten. Man würde mein Motorrad und uns problemlos in Cuauhtémoc abholen und hinbringen. Wegen Unterkunft müssten wir uns auch keine Gedanken machen. Wow, was für ein tolles Angebot. Schade, dass es nicht zwei Wochen früher kam. Tury wollte jedoch am Mittwoch mit einigen „Jungs“ nach Batopilas in der Kupferschlucht – wir auch. Ziel war sogar die gleiche Unterkunft. So kam es zu einer Verabredung in Batopilas und einer Einladung zum Grillen – auf mexikanische Art.

Doch erst einmal trafen Egle und Paul ein. Mit ihnen verliessen wir dann auch, wie erhofft, Cuauhtémoc. Genau drei Wochen nach unserer Ankunft!

Der erste Teil der Fahrt nach Batopilas war nicht sehr aufregend. Meine KTM lief ruhig, das Wetter war so schlecht nicht. Kleine Pausen zum Aufwärmen erleichterten das Leben.

Paul und Thomas bei einer Aufwärmpause

Wir hatten noch nicht den Rand der Schlucht erreicht, als uns – bei einer weiteren kleinen Pause – ein Motorrad einholte. Wer Thomas sei? Den gesuchten gefunden, stellte sich die Frage: Bist du Tury? Nein, Gustavo. Tury und 8 andere Motorräder kämen gleich noch.

Wir beschlossen die Truppe an uns vorbeifahren zu lassen. Doch mit dem Rand der Schlucht wurde die Szenerie spektakulär.

Die Strasse nach Batopilas

Jeder wollte Fotostopps. So fuhren wir am Schluss mit einem ganzen Tross in Batopilas ein. Nicht sehr schnell, aber dafür umso lustiger.

Diashow: Fahrt nach Batopilas

Der Innenhof bei Juanita’s, der nur durch einen schmalen Gang

Egle und Paul erobern Juanita’s Innenhof

und zwei Treppenstufen erreichbar ist, füllte sich mit all den BMW GS-Modellen, 3 Suzuki DR650 und unseren zwei KTM’s.

Die Herren von Motorrad Chihuahua versorgten als erstes alle mit Getränken. Dann war Fotosession angesagt, mit und ohne „ihre“ Touristen.

Dann ging es zum Hauptgrund des Besuches über. Motorrad Chihuahua verteilt Turnschuhe an arme Leute. Wenn ich mich richtig erinnere, haben sie bereits über 20‘000 Paar verschenkt. In Batopilas wurden die Schuhe den Nonnen übergeben, die die Mädchenschule betreiben. 22 der kleinen Mädchen leben permanent in der Schule. Ihre Familien, indígenas des Tarahumara-Stammes (auch bekannt als Rarámuri),  sind so arm, dass nur die Schule das Überleben dieser Kinder (oder eines Geschwisters) sichert. Zum Spass gab es dann sowohl für die Schule, wie auch für einige Dorfjugendliche noch Fussbälle. Die Nonnen waren zu Tränen gerührt und ich auch.

Diashow: Die Kinder von Batopilas

Natürlich kann jetzt der Zyniker anmerken, wer in Mexiko zum Spass eine BMW GS fahren kann, hat genug Geld. Mag sein, aber sie versuchen wenigstens, ihren Landsleuten auch etwas zurückzugeben. Denn, die Tarahumara sind für ihre Fähigkeiten als Langstreckenläufer bekannt und in Turnschuhen läuft sich, wie wir wissen, besser.

Thomas und ich schlenderten noch etwas durch den Ort. Wir hatten von den „Jungs“ erfahren, dass Batopilas einer der ersten (oder gar der erste) Ort in Mexiko war, der über elektrische Strassenlaternen verfügte. Silber war die Währung mit der dieser Wohlstand bezahlt wurde.

Auf Juanita’s Dach ging es dann an die Zubereitung des Carne asada – des gegrillten Fleisches.

Erst das Gemüse für die Salsa

Erst gab es Tacos und Getränke, dann gab es Fleisch und Getränke. Die Temperaturen waren hier, auf dem Grund der Schlucht, angenehm. Wir hatten es sehr lustig. Mittendrin wurden wir gefragt, ob wir uns sicher fühlen. Ja, klar. Die Leute im Dorf waren freundlich, Juanita’s ein tummliger Wohlfühlort und wir waren umhüllt von Wohlwollen. Doch das ist unsere Realität. Für andere hat diese Realität ein anderes Gesicht. Die Kupferschlucht wird als einer der gefährlichsten Orte von Mexiko gelistet. Drogenanbaugebiet und Kartellland. Auch Cuauhtémoc sei nicht die sichere Stadt, für die wir sie empfunden haben. Die Polizisten bei uns im Hotel kämen im Turnus, damit sie keine lokalen Beziehungen – sprich eigene Geschäfte, Korruption – aufbauen können. Denn, Cuauhtémoc ist ebenfalls Kartellgebiet. Die Drogen müssen ja irgendwie aus der Kupferschlucht raus… Die Dachparty wurde durch den einsetzenden Regen beendet.

Unser Plan, Batopilas über die hinten rum Strecke zu verlassen, ging buchstäblich unter. Die heftigen Regenfälle der letzten Wochen hatten zu Erdrutschen und Überschwemmungen geführt. Eine Brücke wurde weggespült; der Fluss sei noch Brusthoch und reissend. So waren wir einfach überredet, die gleiche Strecke wieder zum Rand der Schlucht zu fahren. Nach einem gemütlichen Frühstück trennten wir uns von unseren Freunden aus Chihuahua, sämtliche Einladungen für eine Weile bei etlichen von ihnen zu wohnen, ausschlagend. Wenig ahnten wir, dass sie uns im Regen, der uns an der Oberkante der Schlucht erwartete, wieder einholen würden. Ein letzter Gruss, dann trennten sich unsere Wege endgültig.

Danke, Tury und Motorrad Chihuahua, für die tolle Zeit, eure Gastfreundschaft und eure Freundschaft. Vielleicht können wir ja zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zusammen ausfahren!

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