Silberstädte und Magische Dörfer

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Mexiko zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Bei diesem dritten Mal auf dem Festland Mexiko, d.h. dem Baja California nicht mitgezählt, wollten wir uns nicht so sehr auf Tempel und Ruinen konzentrieren. Chichén Itzá, Palenque, Tula, Teotihuacán und viele mehr hatten wir auf früheren Reisen besucht. Diesmal waren es die Silberstädte, die den Spaniern und der katholischen Kirche unermesslichen Reichtum gebracht hatten, die unser Interesse anzogen. Diese liessen sich auf sehr angenehme Weise durch Besuche von Pueblos Mágicos (magische Dörfer, magische Orte) miteinander verbinden.

So ging es von Batopilas, was sowohl Silberstadt/-dorf wie auch Pueblo Mágico ist, nach Hidalgo del Parral. Wir kamen erst spät an und wollten am nächsten Morgen gleich wieder weiter. So spielte es keine Rolle, dass das Hotel nicht ganz den Erwartungen entsprach. Es hatte Heizung und heisses Wasser zum Duschen. Von der Silberstadt und dem Ermordungsort von Pancho Villa sahen wir nur wenig.

Zwischen Hidalgo del Parral und Parras de la Fuente liegen 500 km. Wir brachen zeitig auf. Egle und Paul würden uns unterwegs sicher einholen, da sie gerne etwas schneller fuhren als wir. Es war kalt und beim Verlassen der Stadt begann es doch tatsächlich zu schneien. Der Schnee blieb sogar auf der Strasse liegen! Die Fahrt gestaltete sich unangenehm; eisig, feucht und windig. Sogar im Weinbaugebiet Parras lag Schnee auf den Reben. Wir fuhren zum Hotel, das Paul kannte, doch die hatten keine Heizung. WAAAS? Schnell fand sich ein Hotel MIT. Die Suite mit Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern und einem Bad war sehr schön und für 50 Franken auch gar nicht so teuer. Die Heizung kam gegen die Kälte leider nicht an. Am Schluss hatten wir noch vier Gasheizungen in der Suite stehen.

Diashow: Parras de la Fuente

Nach all der Kälte und dem Schnee kam uns nichts Besseres in den Sinn als die ehemalige Silberstadt und nun Pueblo Mágico, Real de Catorce, zu besuchen. Schliesslich liegt das Dorf nur auf 2‘750 m. 21 km Kopfsteinpflaster, dann ein 2 km langer, einspuriger Tunnel – natürlich auch Kopfsteinpflaster – durch die schlecht beleuchteten Schächte einer aufgegebenen Silbermineführen einen mitten im Ort wieder ans Tageslicht. Die Auffahrt zum Hotel war abenteuerlich steiles Kopfsteinpflaster. Das Zimmer nett, aber ungeheizt. Nach Sonnenuntergang blieb einem – wenn man nicht frieren wollte – nur heiss zu duschen und dann tief unter die Decken zu kuscheln. Real de Catorce hatte während seiner Blütezeit bis zu 30‘000 Einwohner, war dann eine Geisterstadt und wurde nach der Jahrtausendwende wiederbelebt – heute mit 1‘400 Einwohnern. Das gepflegte Zentrum steckt voller Überraschungen.

Diashow: Real de Catorce

Schaut euch das Bild genau an. Erkennt ihr, was Thomas da isst? Nicht? Schaut nochmal hin. Genau, Bündner Nusstorte! Die Besitzer des „el café azul“ sind Schweizer und ihre Nusstorte schmeckt – mit mexikanischen Zutaten – wie zu Hause.

Wer mehr von Real de Catorce sehen möchte, sollte sich „The Mexican“ ansehen, der hier gedreht wurde.

Nun ist der Tunnel nicht der einzige Zugang zu Real de Catorce. Es gibt noch eine kleine, grobe Kopfsteinpflasterstrasse, die ins Tal führt. An einer Stelle sehr steil und nur für Geländewagen geeignet, aber mit unseren Motorrädern problemlos zu schaffen – Aussage von den Schweizern. Manchen würde dies als Untertreibung erscheinen, erwies sich aber doch als recht akkurat.

Die Steilheit fällt wie immer überhaupt nicht auf 😦

Die Übertreibung: Nur Selbstmordkandidaten wagen diese Abfahrt. Der Weg ist sehr uneben, nur knapp so breit wie ein Auto und links davon Hunderte von Metern nichts – Abgrund. Das Kopfsteinpflaster bietet kaum Haftung. Meine Hinterradbremse war nutzlos. Bei Erreichung des Talbodens glühte die Vorderradbremse, meine Hände waren taub und ich schweissgebadet 😀In Zacatecas hatten wir uns in einem, für unsere Verhältnisse, teuren Hotel einquartiert. Es war zentral, bot sicheres Parking und ein TOLLES Frühstücksbuffet 😉

Natürlich war auch die Stadt interessant. Silber brachte Reichtum, der sich noch heute in den Gebäuden widerspiegelt. Monumentale Kirchen, Prachtbauten, eine Silbermine – die man besuchen kann, enge Gassen und nette Cafés.

Diashow: Zacatecas

Auf dem Weg zu unserer „Weihnachts-“Unterkunft liess mich meine KTM erneut im Stich. Diesmal war es die Zündspule

Der Tank muss mal wieder runter

Zwar kein Problem, dass wir am Strassenrand beheben konnten.

Organisation des Abschleppdienstes

Doch einfach genug, denn wir hatten noch eine dabei. Es folgte eine ruhige Woche im Amigo Motonest.

Steile Berghänge scheinen ein absolutes MUSS für eine mexikanische Silberstadt zu sein. Guanajuato bildet da keine Ausnahme. Unser Hotel lag nur etwa 10 Minuten vom Zentrum entfernt – alles bergab 😀

Blick auf Guanajuato aus der Nähe unseres Hotels

In den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr war die Stadt gestossen voll mit mexikanischen Touristen.
Diashow: Guanajuato
Doch wir fanden unsere Nischen und Lücken – bewunderten das alte Marktgebäude mit seiner Galerie und assen Fischtacos.

Silvester verbrachten wir mit Egle und Paul in Ajijic – anscheinend DEM Gringo-Ort in Mexico und auch Pueblo Mágico.

Es folgten Fahrten auf kleinen Strassen durch Hügel und Berge, von Pueblo Mágico zu Pueblo Mágico Mazamitla

und PatzcuaroDiashow: Patzcuaro

In Morelia war dann Drei-Königstag, in Mexiko ein grosser Feiertag. Denn hier bringen die drei Könige den Kindern nochmals Geschenke – meist Spielsachen. Gleichzeitig stellte die Stadt wohl auch die „Speisung der 5‘000“ nach. Jedoch nicht mit 5 Broten und 2 Fischen sondern mit Drei-Königskuchen 😉

Morelia erinnerte mich mehr an Spanien als jede andere mexikanische Stadt, die ich je besucht habe.

Über Valle de Bravo, einem weiteren Pueblo Mágico ging es zum Nevado de Toluca, dem vierthöchsten Berg Mexikos. Ein erloschener Vulkan, ist der Kraterrand ein gutes Stück zu Fuss vom Parkplatz. Für uns in voller Montur und Motocross-Stiefeln leider zu weit. Dennoch war es beeindruckend auf die tieferen Lagen herunter zu blicken.

Unser Plan, doch noch ein oder zwei Ruinenstätten zu besuchen, fiel gründlich ins Wasser. Der Montag als Museumssonntag gilt auch in Mexiko.

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