Kurzreisen durch Zentralamerika: Reise 2 – Copán

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Um die Tageshitze nicht eingepfercht wie die Sardinen in einem Bus zu verbringen, verliessen wir das Hotel bei Sonnenaufgang. Der kleine Bus war noch angenehm „leer“ als er den Busbahnhof verliess. Natürlich änderte sich das während der ersten Stunde. Doch die meisten „Sardinen“ entschlüpften der „Dose“ in Jocotán, 30 Minuten vor der Grenze.

Ohne Motorrad ging der Grenzübergang sehr schnell, auch wenn die Honduraner Fingerabdrücke nahmen und ein Foto machten. Der Spaziergang zum nächsten Bus, welcher sehr bald abfuhr, war kurz. Viel früher als erwartet, kamen wir in Copán Ruinas (dem Ort in der Nähe der Ruinen) an. Die Läden und Cafés hatten fast alle noch geschlossen, als wir uns schon vor 9 Uhr auf die Suche nach unserem Hotel begaben. Überraschenderweise war unser Zimmer schon bereit, so dass wir unser weniges Gepäck abladen konnten.

Den viertelstündigen Spaziergang zu den Ruinen lockerten wir unterwegs mit einem Orangensaft auf.

Wie etliche andere Mayaruinen besteht auch die „heutige“ Maya-Stätte von Copán aus einem Hauptkomplex, der von mehreren zweitrangingen Komplexen umgeben ist. Doch nachdem wir das Gelände des Hauptkomplexes betreten hatten, waren es nicht die Ruinen, die uns wie magisch anzogen. Es waren grosse, laute, leuchtendbunte Flecke in Bäumen und an etwas, das wie Futterstellen aussah. ARAS! Dutzende von Hellroten Aras hatten sich hier versammelt. Wilde Aras sind in diesem Teil von Honduras ausgerottet. Diese hier waren Teil eines Auswilderungsprogrammes. In den Bäumen hingen verschiedene Brutkästen, manche derzeit bewohnt. Aras sind monogam und die Jungen leben etwa zwei Jahre bei ihren Eltern. Wir waren anscheinend zur Fütterungszeit gekommen, denn als wir das Gelände am Nachmittag wieder verliessen, war kaum noch ein Ara zu sehen.

Der Hauptkomplex besteht aus der Akropolis und fünf Plazas (Plätzen). Heute erinnert die Akropolis teilweise eher an einen Schutthaufen, als an eine wichtige archäologische Stätte oder gar das Zentrum einer Stadt. Der Gesamteindruck der Stätte wird durch die Schutzdächer über den Stelen und einem Teil einer Pyramide auch nicht verbessert.

Eine weite Plaza, dekoriert mit reichverzierten Monolithen und Altären empfing uns. Rechterhand sahen wir eine Pyramide. Doch vorerst erforschten wir erst die weite Plaza dann noch die Zeremonie-Plaza, mit ihrem Stadion.

Hauptanziehungspunkt und wichtigster Fund in Copán ist die Hieroglyphische Treppe, die am Ostrand der nach ihr benannten Plaza die Pyramide hochführt. Die Treppe ist 100 m breit und mit über 1‘800 Hieroglyphen verziert – die längste bisher entdeckte Maya-Inschrift.

Die östliche Plaza, auch bekannt als Jaguar-Plaza, liegt etliches über dem Talboden. Die Jaguare, die die Treppe auf der Westseite verzieren, sind leider sehr schlecht erhalten und kaum noch zu erkennen. Auch die westliche Plaza enthält einige schöne Altäre und faszinierende Dekorationen. Auch eine kleine Wohnanlage haben wir erforscht.

In seiner Blütezeit (300-900 AD) war Copán nicht nur politisches, ziviles und religiöses Zentrum des Copán-Tales, sondern auch – politisch und kulturell zumindest – des südöstlichen Mayagebietes sowie dessen Umgebung. Die Stadt wurde Anfang 10. Jahrhundert aufgegeben. War lange unklar wieso, weiss man heute den Grund: Überbevölkerung. Durch das grosse Bevölkerungswachstum konnte sich Copán nicht mehr selbst versorgen, sondern musste Lebensmittel importieren. Die Stadt verdrängte die Landwirtschaft aus dem fruchtbaren Tal an die Hänge. Wegen der daraus resultierenden Abholzung weiter Gebiete kam es zu massiver Erosion und Überschwemmungen während der Regenzeit. Diese Umstände reduzierten die landwirtschaftlichen Erträge zusätzlich.

Interessanterweise sind diese alten Umweltschäden nicht so unterschiedlich von den heutigen. Ein beunruhigender Trend, der sich aber gut mit dem Glauben der Mayas – dass Leben zyklisch ist und sich Geschichte wiederholt – vereinbart.

Die Hitze überzeugte uns schliesslich, nicht noch weitere Teile der Ruinenstätte zu erkunden. Stattdessen widmeten wir uns, zurück in der Stadt, unserem leiblichen Wohl. Und griffen dann zum honduranischen Rettungsring – auch bekannt als Lebensretter 😉

Die Rückfahrt am nächsten Morgen verlief nicht ganz so angenehm. Wir verbrachten den grössten Teil der Fahrt in einer „Sardinendose“ – bewegungsunfähig mit Hintern, Rucksäcken und Handtaschen im Gesicht. Aber immer noch besser als der Kassier, der aussen am Bus hing und sich bei mir im offenen Fenster festhielt.

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