Jumping the Gap – die Darién-Lücke

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Panamericana – hat so was Abenteuerliches, Fremdartiges an sich, nicht? Einmal die Panamericana fahren…

Was die wenigsten Leute realisieren, ist: Es gibt keine Panamericana – keine offizielle Strasse die von Deadhorse, Alaska, nach Ushuaïa, Argentinien führt. Klar, man fährt immer mal wieder auf der Pan- oder Interamericana. Doch jedes Land hat seine eigene… Und dann, ja, dann hört die Strasse in Panama einfach auf, in Yaviza am Rio Chucunaque der Provinz Darién. Hier ist der Darien Gap.

Eine Frage, die also jeden Überland-(Fahrzeug-)Reisenden zwischen Nord- und Südamerika bewegt, ist: Wie überwinde ich den Darién Gap (die Darién-Lücke, den Tapón del Darién)? Möglichkeiten für das Motorrad gibt es viele:

Auch für den Menschen lässt die Auswahl nichts zu meckern übrig:

  • Besagter Segeltörn, 5 Tage mit Stopp auf den San Blas Inseln
  • Ein Flug ans Ende von Panama, dann zwei Bootsfahrten – eine nach und eine in Kolumbien, zwei weitere Busfahrten nach Cartagena
  • Fliegen

Wir hatten uns schon eine Weile mit dem Gap auseinander gesetzt. Eigentlich wollten wir die Motorräder fliegen. Einfach, zuverlässig, teuer und man landet in der 8 Mio.-Stadt, Bogotá. Da erhielten wir ein Angebot für einen Container, ohne Extrakosten, keine Überraschungen, versprach der Agent.

So posteten Thomas und ich, gemütlich auf unserer Dschungelterrasse in Costa Rica sitzend, Anfragen in den Foren für Partner. Es fand sich ein Motorrad und ein Auto, doch der Agent hatte schon ein Auto. Donnerstagabend bestätigten wir unseren Platz im Container. Doch der Besitzer des Autos reagierte nicht mehr. Freitagabend, immer noch in Costa Rica sitzend, kontaktierte ich Takeshi, ein Japaner, der mit seinem Toyota Sienna auf unsere Anfrage hin reagiert hatte. Er war nur 7 km von uns entfernt, also auch noch in Costa Rica. Doch das andere Motorrad, Steve mit seiner BMW, war bereits seit 10 Tagen in Panama City. Takeshi war fantastisch.

Takeshi und sein Toyota Sienna am Hafen in Colón

Kurz entschlossen einigten wir uns auf eine Verschiffung am nächsten Donnerstag, teilten uns die Reservationsgebühr für den Container. Samstag früh „rasten“ Thomas und ich der Grenze entgegen. Wir mussten auf jeden Fall Sonntagabend in Panama City sein. Montag sollten die Fahrzeuge alle zur Fahrzeugkontrolle, und zwar schon um 07.00 Uhr morgens. 700 km, einen Grenzübergang, unberechenbaren Verkehr und den üblichen “Pannen-Faktor“ galt es zu bewältigen. Lustigerweise trafen wir Takeshi an der Grenze. Alles lief problemlos, so dass wir es wagten 200 km vor Panama City zu übernachten. Am Sonntag kamen wir ohne Zwischenfälle in unserem Hotel an. Das war geschafft!

Wir hatten sogar die Energie noch etwas durch Casco Viejo, die Altstadt zu bummeln.

Diashow: Panama City

Auch eine Fahrt an den Panamakanal zu den Schleusen liessen wir uns nicht nehmen.
Montag früh fand uns mit 23 oder mehr anderen Fahrzeugen – hauptsächlich Einheimischen – an der Fahrzeugkontrolle. Boris, unser Agent, hatte noch ein viertes Motorrad für den Container gefunden – Aaron aus China. Während der endlosen Warterei lernte man sich also kennen. Boris hatte 3 Container – 5 Autos und 4 Motorräder. Dann waren da noch zwei weitere Overlander, die mit einem anderen Agenten verschifften.

Geschäftstüchtig: Frühstück für die Wartenden bei der Fahrzeugkontrolle

Steve folgte uns zu unserem Hotel. Am nächsten Tag würden wir drei ins Hostel übersiedeln, in dem Takeshi wohnte.

Am Dienstag war um 07.30 Uhr Treffpunkt in Colón, dem Karibikhafen, 80 km von Panama City entfernt. Noch im Dunkeln fuhren wir los, nicht auf der Mautstrasse – für die braucht man einen Pass. Am Treffpunkt hatten sich bereits alle Autos und auch Aaron eingefunden. Für zentralamerikanische Verhältnisse ging es dann Schlag auf Schlag 😉 Wir wurden zu unseren Containern geführt. Vor Ort gab es eine kurze Wartezeit bis der „Abschleppwagen“ kam, mit dem die Fahrzeuge in die Container geladen wurden. Takeshi war der Allererste, der einladen konnte; gefolgt von den Motorrädern. Eines nach dem Andern. Anschliessend wurde der Container verschlossen und versiegelt. Während die restlichen Autos eingeladen wurden, fuhr uns Boris bereits zum Zoll. Dort wurden die Motorräder aus dem Pass gestempelt. Wir erhielten unsere Bill of Lading – unsere Ladepapiere – mit denen wir ohne Rückflugticket nach Kolumbien einreisen können sollten. Dann ging es in eine Mall, wo wir uns von Boris verabschiedeten. Nach einem kleinen Mittagessen fuhren wir mit dem Bus zurück nach Panama City.

Nach all der Rennerei war erst mal die Luft etwas draussen. Am Donnerstag flogen Takeshi, Steve, Thomas und ich zusammen nach Cartagena. Die Einreise bereitete keine Probleme. Wir hatten gemeinsam eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern gemietet. Am Montag sollte dann die Einfuhr der Motorräder beginnen können, wenn das Schiff pünktlich wäre. Doch bis dahin blieb noch etwas Zeit. Wir schlenderten durch die Altstadt.

Diashow: Cartagena Diashow: Cartagena

Manche liessen sich für weniger als zwei Franken die Haare schneiden.

Auch die Entspannung kam nicht zu kurz. Jeden Tag wurden auch erst Container und dann Schiff getrackt. Es schien, als ob wir das grosse Los gezogen hätten. Das Schiff war pünktlich, der Container an Bord.

Am Montag zogen wir in ein Hostel in der Nähe von Ämtern und Hafen. Früh schafften wir unser Gepäck hin, dann begannen wir zu fünft den Spiessrutenlauf durch die Ämter. Am Hafen erhielten wir von Emil, dem zuständigen Hafenbeamten, einen Plan, welche Posten in welcher Reihenfolge abzulaufen sind. Nachmittags um halb drei waren alle Gebühren bezahlt sowie alle Papiere zur Öffnung des Containers vorhanden. Diesen Erfolg feierten wir mit einem Bier.

Dienstag um 08.45 Uhr fanden wir uns, wie bestellt, wieder am Hafen ein. Die Autofahrer hatten zu uns aufgeschlossen. Es sollte ein „9 in, 9 out“ (d.h. 9 Fahrzeuge in den Containern, 9 Fahrzeuge gemeinsam aus dem Hafen) geben. Doch die Versicherungen zum Betreten des Hafens waren für einige plötzlich nicht mehr vorhanden. So mussten diese zu Fuss noch zum Versicherungsbüro, was zu Verzögerungen führte. Unser Hafenbeamter wurde nervös, eilte uns zu den Containern. Der Hafeninspektor kam, prüfte das Siegel. Dieses entfernt, ging das Ausladen schnell. Da nur Hafenarbeiter in diesem Bereich fahren dürfen, schoben wir unsere Motorräder zur Inspektionsstelle. Nur dreissig Minuten nach dem letzten Auto traf auch schon der Zollinspektor ein. Grosses Glück, versicherte uns der Hafenfahrer, normalerweise musste man bis zu fünf Stunden auf den Herrn warten. Leider war der Zollinspektor mit Aarons Papieren gar nicht zufrieden. Nach der Mittagspause musste der Arme alleine losziehen um seine Probleme zu lösen. Doch Emil versicherte uns, dass Aarons Motorrad den Hafen auch noch heute verlassen würde. Wir anderen sollten nun unsere Abschlusspapiere kriegen und dann fahren können. Es war halb vier bis wir den Hafen endgültig verliessen. Abends um sechs tauchte Aaron, mit Motorrad, bei uns im Hostel auf. Gerne feierte er das Glücken des Unternehmens mit uns.

Genau zwei Jahre nach unserer Abfahrt in Wünnewil (17.4.2016) fuhren wir am 17. April 2018, nach 23 Ländern und 101‘572 km auf drei Kontinenten, unsere ersten Kilometer in Südamerika (unserem vierten Kontinent). Was für ein Jubiläum!

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