Auf der Suche nach der Hälfte der Welt

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Wir hatten schon auf diversen Foren von der venezolanischen Tragödie gelesen. Zu Tausenden verlassen sie ihr Land, in der Hoffnung in Kolumbien, Ecuador oder gar Peru – einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt und mit weniger als 2 USD pro Tag auskommen muss – ein besseres Leben zu finden. Von was wir hören, ist die venezolanische Ökonomie fast komplett zusammen gebrochen. Das Geld ist wertlos, Lebensmittel sind rationiert und viele Alltagsgegenstände sind zu Luxusartikel geworden. Jedes der „Auffangländer“ ist froh zum „Transitland“ zu werden. Stundenlanges Warten an Grenzübergängen ist normal – manche Reisenden bis zu 10 Stunden. Natürlich wollten wir auch nicht stundenlang warten.

So beschlossen wir, wirklich sehr früh aufzustehen und das Hotel kurz nach 4 Uhr morgens zu verlassen. Um 4.30 Uhr war am kolumbianischen Grenzposten noch tote Hose. Die Pässe waren schnell abgestempelt, die temporäre Einfuhr der Motorräder zu annullieren gestaltete sich sehr einfach, fand man erst mal den richtigen Beamten. Nichts hatte uns jedoch, nur wenige Minuten später, auf die Situation an der ecuadorianischen Grenze vorbereitet. Wo man hinblickte, lagen Menschen und Gepäck. Die Schlange für ins Immigrationsgebäude war endlos. Es ist unglaublich peinlich, wenn man an Familien mit zwei- oder dreimonatigen Babies, älteren Leuten oder gar Behinderten vorbei ins Gebäude gelotst wird, in dem nur etwa 20 Leute erlaubt sind. Doch was hätten wir machen sollen?

Den Schalter für die temporäre Einfuhr unserer Motorräder war unerreichbar. Ein Beamter musste erst Schlafende wecken und diese bitten den Weg frei zu räumen. Es ist ja nicht so, dass die Nächte auch 2‘800 m um diese Jahreszeit sehr mild sind… Es ist schwer vorstellbar, wie hoffnungslos man sein muss um sein Hab und Gut in drei riesige Trolleys – wenn man diese hat – zu packen und seine Heimat ins Ungewisse zu verlassen. Wir, die Privilegierten, konnten die Grenze um 5.45 Uhr hinter uns lassen…

Laguna Cuicocha

Nun heisst ja Ecuador nicht vergeblich Ecuador. Irgendwo da ist ja der Äquator erreicht, die Hälfte der Welt, so zu sagen die Mittellinie. Auf dem Weg nach Quito überquerten wir den Äquator mehrfach, auf der Suche danach 😀 Thomas hatte Bilder des Monumentes mit Motorrad davor gesehen. So besuchten wir erst ein vorspanisches Monument am Äquator – nein, dass war es nicht –

Catequilla

und anschliessend das Mitad del Mundo, welches nicht wirklich auf dem Äquator liegt, da sie sich beim Bau vermessen haben, – nein, dass war es auch nicht. Erschöpft von der erfolglosen Sucherei fuhren wir nach Quito (2’850 m), wo wir uns gleich eine Woche von der Anstrengung erholen mussten 😉 Ein kleines Apartment 10 Gehminuten vom Herzen der Altstadt und einem Parkplatz in der Tiefgarage – wäre perfekt mit etwas Heizung.

Diashow: Quito

Wir verbrachten zwei sehr nette Nachmittage/Abende mit Takeshi, seiner Frau Kanako und Wasabi, ihrem Hund. Ich erhielt zudem einen Haarschnittfür 2 ½ Dollar .

Schliesslich fand Thomas heraus, dass das Monument, welches er suchte, an einer anderen Strasse liegt. Wir würden zwar Quito nach Norden verlassen, doch der Umweg wäre 100 km. Die Suche nach dem Äquator war uns die Extrakilometer nicht wert. Auf unserer Weiterfahrt überquerten wir die Mittellinie noch zweimal. Doch ich schaffte es trotz laufender Kontrolle nicht auf 0°00’00.0“ anzuhalten.

0°00’00.0″ doch noch gefunden

 

 

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