Wie blau werden deine…

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Mindo (1‘250 m), ein Zentrum der Schmetterlingszucht

und Ausgangspunkt für Vogelbeobachtungen, sagte uns, abgesehen von unserem Zimmer, nur wenig zu. So zogen wir weiter in einen sehr kleinen Ort, Saquisilí (2‘900 m), der nur wegen seinem Markt – einem der grössten im Hochland – besuchenswert ist. Der Markt beherrscht die kleine Ortschaft fast komplett. Ausgenommen ist einzig der Hauptplatz. Zu kaufen gibt es fast alles – neu und gebraucht oder umfunktioniert. Auch Tiere stehen im Angebot. Doch Achtung, was bei uns als Haustier gehalten wird, dient hier als Mahlzeit – nicht nur die Kaninchen, auch die Meerschweinchen.

Diashow: Markt Saquilisí

Die Quilotoa-Rundfahrt bot die – bis anhin – schönste Fahrt, mit der eindrücklichsten Landschaft, in Ecuador. Die Berge, die hier noch mehr an Hügel erinnern – wir befinden uns ja auch „nur“ auf über 3‘000 m, sind oft bis zur Spitze landwirtschaftlich genutzt, was zu einem attraktiven Schachbretteffekt führt. Abgerundet wird das Erlebnis durch einem Besuch an der Quilotoa-Caldera (3‘914 m) mit ihrem Kratersee.

Mit der Sichtung der Vulkane, die eigentlich das Landschaftsbild von Ecuador prägen, wie dem Cotopaxi und dem Chimborazo, hatten wir nur wenig Glück. Am Cotopaxi regnete es, während sich der Chimborazo vornehm in Wolken hüllte. So zogen wir ein Trekking gar nicht erst in Betracht.

Artikel zur Besteigung des Chimborazo aus dem Spiegel

Die Strasse schlängelt sich auf über 4‘000 m (4‘200 m am höchsten Punkt) am Chimborazo vorbei. Dieser hatte schliesslich doch Erbarmen und gewährte uns einen Blick auf seinen schneebedeckten Gipfel. Wegen seiner Nähe zum Äquator ist er der am Weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt der Erdoberfläche. Weil die Erde aufgrund der Rotation und der sich daraus ergebenden Fliehkraft keine Kugel ist, sondern ein Rotationsellipsoid – dessen Radius an den Polen kleiner als am Äquator ist, übertrifft der Chimborazo (1° südl. Breite, 6384,557 km vom Erdmittelpunkt) den wesentlich höheren Mount Everest (28° nördl. Breite, 6382,414 km vom Erdmittelpunkt) um mehr als zwei Kilometer.

Um uns wieder aufzuwärmen, gab es einen Tee-Stop. Das grosse Meerschweinchen auf dem Dach des Restaurants war uns nicht Hinweis genug auf die Spezialität des Hauses. Doch das gab sich bald. So endeten auch wir nicht nur mit Tee, sondern auch mit Cuy (wie die Tierchen hier heissen). 30 Minuten wird der „Braten“ an einer raffinierten Einrichtung – mit hoher Geschwindigkeit drehend – grilliert, bevor er auf dem Teller landet. Das Fleisch stellte sich als aromatische – dank Marinade??? – „Kaninchenvariante“, wenn auch etwas zäher, heraus.

Es war ein bisschen ein Schock fürs System als wir ein paar Stunden später in der Ebene (5 m) an Bananenplantagen und Reisfeldern vorbei fuhren.

Thomas erhielt von seinem Navi eine 30 km Strecke über „Ziegenpfade“ an die Küste zum Geburtstag geschenkt. Anschliessend gab es zur Feier des Tages leckere Fisch- und Krevetten-Ceviche – roh mit Limettensaft mariniert, was zu einer „Garung“ führt – zum Mittagessen.

Wir sparen uns die Galapagos auf. Wie Tom immer sagt, man muss auch was für in 20 Jahren lassen 😉 Vielleicht ist er ja bis dahin seetauglich 😀 Statt dessen besuchten wir die Isla de la Plata, im Machalilla-Nationalpark, das Galapagos des armen Mannes. Schon die 42 km zur Isla de la Plata bereiteten ihm – unnötig – Sorge, da der grösste Teil der Strecke über offenes Meer geht. Blaufusstölpel sowie Prachtfregattvögel werben, paaren und nisten zur Zeit auf der Insel.

Erstaunlich wie wenig scheu die Blaufusstölpel sind. Sie nisteten überall, am und auf dem Weg. Das Werberitual dauert, laut unserem Führer, an die zwei Wochen – bis das Weibchen paarungsreif ist. Diese Zeit verbringt das Männchen tanzend. Kurze Verschnaufpausen und die Essensbeschaffung sind ihm erlaubt 😉 Nachdem die Eier gelegt sind, herrscht Gleichberechtigung. Weibchen und Männchen brüten abwechselnd. Die blauen Füsse, von denen sie ihren Namen haben, erhalten sie erst im Alter von etwa 10 Monaten. Diese werden durch ihre Ernährung, hauptsächlich Sardinen, hervorgerufen.

Die Prachtfregattvögel hingegen nisten in Bäumen, etwas weiter vom Pfad weg. Die Männchen haben einen roten Kehlsack, der zur Paarungszeit wie ein Ballon aufgeblasen wird. Mit ausgebreiteten Flügeln, prallem Kehlsack und lauten Rufen werben sie um eine Partnerin.

Diashow: Isla de la Plata

Vogelbildern gewesen, als wir auf der Rückfahrt doch tatsächlich auf Buckelwale – leider auf der Durchreise – trafen.

Die Küstenbewölkung, welche fast die ganze Trockenzeit anhält, wieder hinter uns lassend, erklommen wir die Flanke der Anden genauso schnell wie wir abgestiegen waren. Die Strasse nach Cuenca (2‘550 m) steigt im Cajas-Nationalpark wieder auf über 4‘100 m, und damit in die Wolken, bevor sie in die Stadt hinunter führt.

Cuenca besticht, ähnlich wie Quito, durch die koloniale Altstadt. Sie ist – im Gegensatz zu den meisten, von uns besuchten Orten Ecuadors – attraktiv, fürs Auge und den Gaumen. Auch ausserhalb des Zentrums finden sich Parks, nette Cafés und Restaurants.

Nach ein paar Tagen in der Stadt soll es nach Peru weitergehen.

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