Wenn „richtige“ Berge rufen – Cordillera Blanca

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Ja, ich gebe es zu. Berge sind für mich eine der schönsten Landschaftsformen der Welt. Richtige Berge – mit Felsen, Gletschern und Schnee. Bis anhin waren die Anden in dieser Hinsicht recht enttäuschend. Doch nun sollte es zu richtigen Bergen gehen. In die Cordillera Blanca – 180 km lang und mit mehr als 50 Bergen über 5‘700 m die höchste Gebirgskette der Amerikas.

Schon die Fahrt hin wurde zum Erlebnis – erst durch die Wüste, dann durch die „Enten-Schlucht“ (Cañón del Pato). Auf einer alten Bahntrasse gebaut, steigt die Strasse auf einer Länge von 45 km von 500 m auf über 2‘000 m an – mit 35 einspurigen, unbeleuchteten Tunnels. 

Diashow: Cañón del Pato

Der Campingplatz in Caraz liegt herrlich am Fuss der schneebedeckten Berge der Cordillera Blanca. Als wir ankamen, standen dort bereits diverse Overlander – darunter auch alte Bekannte. Mehr als zwei sind bekanntlich eine Gruppe: international, mit dem gleichen Ziel aber unterschiedlichen Transportmitteln bildet sich schnell eine familiäre Gemeinschaft. 

John, Michelle, Craig, ich und Mandi beim Broccoli-Saltado-Menü

So wurden aus unseren geplanten zwei Nächten sechs. Erst lag die „Schuld“ bei Mandi und John. Dann trafen wir auf unserem Ausflug zur Laguna Parón doch tatsächlich ein Motorrad – Michelle und Craig aus Australien auf dem Weg nach Norden.

Rösti mit Speck, überbacken mit peruanischem Käse – ganz lecker!

Da konnten wir einfach nicht weiterfahren!

Laguna Parón: Ausgesetzte, teils etwas steilere Piste – oft einspurig. Auf 4‘185 ein schimmernder Bergsee umgeben von leuchtend weissen Gipfeln unter einem stahlblauen Himmel. Der Himmel alleine bringt einen ins Schwärmen, denn nirgends ist er so blau wie auf über 4‘000 m. Da braucht es keinen Filter und keine Bildbearbeitung. Der See: eine Fläche von leuchtendem Türkis. Die Berge: schroffer Fels von Schnee und Eis bedeckt. Nichts Sanftes oder Freundliches, aber von abweisender Majestät, sind die meisten dieser Gipfel über 6‘000 m hoch.

Die AN-106 und AN-107 bilden eine 253 km lange Runde, die die Cordillera Blanca zweimal überquert. Ein Rausch aus engen Kurven, ausgesetzten schmalen Strassen, leuchtenden Gipfeln und schillernden Seen unter einem zunehmend Wolken verhangenen Himmel. Höher immer höher, tiefer immer tiefer – ein Höhenunterschied von 2‘000 m.

Nach dem Punta Olímpica-Tunnel

Dann der erneute Aufstieg bis zum Punta Olímpica-Tunnel. Auf 4‘735 m liegend ist er der höchste Strassentunnel der Welt und mit 1,4 km der Längste von Peru.

Direkt vor unserem Hostel „explodierte“ in Huaraz mein Kühler.

Fleischige Auswahl auf dem Markt in Huaraz

Der Ventilator, der schon seit einer Weile gerattert hatte, gab seinen Geist endgültig auf.

Zwischen Tradition und Moderne

Wie eine Fontäne spritzte meine wertvolle Kühlerflüssigkeit in die Gegend. Mit Hilfe von Paul – einem amerikanischen Motorradreisenden – beschaffte Thomas Ersatz. Erst einen kleinen Ventilator der „Billig“-Motorradmarke Pulsar,

KTM versus Pulsar – jö, ist der süss 😀

der genau gepasst hätte. Besorgt über die Menge an transportierter Luft setzte er schliesslich das alte Lüfterrad auf einen KLR-Ventilator-Motor.

Aussicht vom Hostelzimmer in Huaraz

Experiment geglückt, fand er schliesslich sogar geeignete Kühlerflüssigkeit.

Für einen kulturellen Zwischenstopp 

Ein den klimatischen Verhältnissen angepasstes Tuk-Tuk

überquerten wir die Cordillera Blanca erneut – von Huaraz nach Chavín de Huántar. Über eine Strasse ohne Namen brachen wir erneut auf – zum vierten Mal quer durch den Huascarán-Nationalpark. Auf 4‘852 m, bei eisiger Kälte, trafen wir einen anderen Motorradfahrer – Gabriel aus Ecuador, auf dem Weg in die Guayanas. Buena suerte para tú viaje!

Obwohl die Bergspitzen von Wolken verschluckt waren, genossen wir die Fahrt. Erneut dieser Rausch an Kurven, engen Strassen und Berge… Auf dem Weg in die Tiefe (unter 4‘000 m) ragte neben der Piste eine seltsame Pflanze auf. Wie eine gigantische Kerze, die aus einem Busch wächst. Es wurden mehr und mehr, doch auf der Welt leider weniger und weniger… Die Puya Raimondii, die hier die Landschaft so speziell zierte, ist vom Aussterben bedroht.

Nach einem kalten, sehr langen Fahrtag auf durchschnittlich 4‘000 m (261 km) war es ein grosses Ärgernis, als sich herausstellte, dass der Parkplatz des Hotels mehr als vier Querstrassen entfernt war. Wir gaben unserem Führer den Laufpass und hörten auf den Rat eines netten alten Mannes. So endeten wir in einem schönen Hotelzimmer, sicherer Parkplatz für die Motorräder direkt hinter dem Haus, mit einer richtigen heissen Dusche UND einer HEIZUNG!!! Eines der besten und billigsten Zimmer (12 CHF) unseres bisherigen Südamerika-Aufenthaltes 😉

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