Araukarien und Lavaströme

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Santiago verlassend, wollten wir auf dem Weg nach Süden möglichst wenig Schnellstrasse fahren. Es ist nicht immer so angenehm zu den langsamsten Verkehrsteilnehmern zu gehören, wenn es auf den Landstrassen doch genau umgekehrt ist 😉

So fuhren wir erst Richtung Westen an die Küste – mit einer Empanada-Pause in Pomaire. Verbrachten die Nacht im unspektakulären Pichilemu an der Küste, bevor wir wieder Inland abdrehten zur „Reserva Nacional Radal Siete Tazas“. In Lolol konnten wir der Versuchung des lokalen Cafés nicht widerstehen.

Zu sehr genossen wir dieses kleine Andenken an Europa, dass Chile doch in sehr regelmässigen Abständen bot.

Die „Sieben Tassen“ verdanken ihren Namen einer Reihe von sieben Teichen,

die durch je einen Wasserfall miteinander verbunden sind.

In Talca verbrachten wir einen netten Abend mit Steve, Arjan und dessen Freund Greg. Natürlich musste Thomas am Morgen einige Zuschauer, und die damit einhergehenden schlauen Sprüche, über sich ergehen lassen, als er unsere beiden KTM’s – wie jeden Morgen in den letzten vier Monaten – antrat 😀

Ja, in solchen Momenten wünschen wir, es wäre schon der 10. Januar 2019 und unser Freund Peter würde mit den notwendigen Ersatzteilen, die er uns so liebenswürdigerweise aus Deutschland mitbringt, endlich in Ushuaia landen. Aber leider wird das noch etwas dauern.

Wieder kurvten wir an die Küste. Verbrachten zwei Nächte in einer kleinen Cabaña – auch Hütte oder Bungalow genannt – am Strand von Cobquecura. Attraktion des Ortes sind einige Felsen, 50 m vom Strand entfernt, die von einer Seelöwenkolonie bevölkert sind. Das Gebrüll der Männchen ist über die Distanz problemlos zu hören.

Unsere Strategie weiter der Küste entlang nach Süden zu fahren erwies sich als unwirksam. Wir endeten genau wo wir nicht enden wollten – auf der Schnellstrasse und in der Stadt Concepción. Die Autobahn war ziemlich leer, bis auf ein unglückliches Pudu – einer der seltenen kleinsten Hirsche der Welt – das verzweifelt versuchte die Autobahn zu überqueren. Dabei lief es erst Thomas vors Motorrad, rutschte dann auf dem Asphalt aus und entging nur knapp meinen Rädern.

Doch dann kam die Fahrt durch den Nahuelbuta-Nationalpark. Kiefernwälder. Ha, eine Art Kiefer, die wir garantiert nicht kennen. Dummerweise sind die „Kiefern“ so hoch, dass ich mir beinahe den Hals verdrehte.

Ausserdem war es schwierig das Motorrad in Spur zu halten. Ich musste gucken, gucken, gucken! Na, vielleicht war es doch eher starren, starren, starren 😀 Also, diese Kiefern sind eigentlich Araukarien, eine Koniferen-Art. Sie werden bis zu 89 m hoch und an die 1‘000 Jahre alt. Auf mich wirkten die Araukarien unglaublich archaisch, wie Überbleibsel der letzten Eiszeit.

In Temuco stand uns ein etwas längerer Aufenthalt bevor, sollten wir hier doch unsere bestellten Ersatzteile beim KTM-Händler abholen können. Doch Mandi und John, unsere Freunde aus Florida in ihrem Ford, erklärten sich bereit uns Gesellschaft zu leisten. Sie übernachteten direkt vor unserer Haustür. Der Wein floss reichlich und die Nächte waren gefüllt mit Gelächter sowie angeregter Unterhaltung. John betätigte sich als Hiwi (Hilfswilliger) für meinen absoluten Lieblingsmechaniker,

half beim Bremsscheiben- und Reifenwechsel. Dann war es an der Zeit unsere Ersatzteile abzuholen. Innerhalb von wenigen Tagen fielen mir zum zweiten Mal fast die Augen aus dem Kopf.

Was für ein Laden!

Und Richard, der Besitzer, ist ein Schatz. Er bot Thomas gleich an, in der Werkstatt arbeiten zu können.

Wir mussten auf sein Angebot zurückgreifen.

Ein Lager an beiden hinteren Federungen

musste ausgetauscht werden.

Schliesslich waren unsere Motorräder wieder flott. Mandi und John reisten Richtung Pucón weiter, während Thomas und ich uns erstmal den Nationalpark anschauen wollten, aus dem sie gekommen waren. Im Conguillío-Nationalpark hatten sie die unbefestigte Strasse noch nicht für die kommende Hochsaison präpariert. Einige Spurrillen wie auch Pfützen gestalteten die Fahrt interessant bis die „grosse“ Aussicht kam. Womit ich nicht den unübersehbaren Vulkankegel meine…

Erst fuhren wir durch einen kleinen Dschungel,

dann durch einen weiteren Araukarien-Wald

und schliesslich durch ein breites Lavafeld.

Zum krönenden Abschluss nochmals Araukarien.

Ich bin wirklich Fan dieser Bäume, könnte stundenlang da sitzen und sie betrachten. Allein der Stamm…

Dann die Zweige…

Aus dem Huerquehue-Nationalpark erhielten wir dieses Foto.

Ah, vier – naja, eigentlich fünf – unserer Freunde an einem Ort vereint. Da konnten wir ja nicht fehlen. Doch nach einer nicht ganz so gemütlichen Nacht zogen wir es vor noch etwas Zeit in Pucón zu verbringen.

Mandi und John schlossen sich uns an, während Coco, Takeshi und Wasabi noch eine weitere Nacht im Nationalpark verbringen wollten. Etwas schweren Herzen trennten wir uns schliesslich von unseren Freunden. Sie wollten weiter in Chile bleiben, während wir nach Argentinien weiterziehen würden. Autofahrer sind einfach die langsameren Reisenden – leben sie doch in ihrem mobilen Haus.

Im Huilo Huilo-Nationalpark brachte uns eine Fähre über den Lago Pirihueico bis kurz vor die argentinische Grenze.

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