Carretera Austral

Zuerst einmal – was ist eigentlich die Carretera Austral? Da tauchen Schlagwörter wie längste Sackgasse der Welt, ultimativer Roadtrip, eine Schotterstrasse vorbei an Gletschern, durch Flüsse und an Seen entlang, auf.

Es ist eine, offiziell, 1‘247 km lange Strasse, die von Puerto Montt nach Villa O’Higgins führt. 1976 gab Präsident Augusto Pinochet den Auftrag zum Bau dieser unglaublichen Strasse, welche 1996 bis Puerto Yungay fertig gestellt war. Die letzten 102 km, bis Villa O’Higgins, wurden erst im Jahr 2000 gebaut. Kosten: lächerliche 200 Mio. USD plus Kleingeld. Die Bautruppen mussten nicht nur mit der Isolation kämpfen sondern regelrecht die Natur bezwingen. Primärwald, Fjorde, Sümpfe, Flüsse, Seen, Berge und Täler. Zusätzlich zur Carretera baute das Cuerpo Militar del Trabajo auch noch 227 km zuführende Strassen. Während mehr als 20 Jahren bauten sie 3,086 m Brücke, bewegten 4,082,344 m3 Erde und 7,955,618 m3 Fels; verwendeten mehr als 500 t Sprengstoff und errichteten 27 Camps. Das Meiste davon von Hand konnten schwere Maschinen doch nur über die bereits errichtete Strasse eingeführt werden. Diese versorgt nun 37 Ortschaften auf ihrer Gesamtlänge.

Zwischen Coyhaique und Puerto Rio Tranquillo

Der Grenzübergang in Futaleufú ist klein und braucht kaum Zeit. Die Beamten sind gradlinig, aber freundlich. Nun ist es nicht so, dass man gleich auf die Carretera Austral kommt. Nein, erst folgt man dem Lauf des Rio Futaleufú, einem Wildwasser-Paradies für Kayaker und Rafter, bis zum Yelcho-See.

Noch ein Stück weiter erreicht man nach 86 km in Villa Santa Lucia die Carretera Austral. Den Beginn der Carretera Austral, von Puerto Montt bis Villa Santa Lucia, 243 Strassenkilometer und 3 Fähren, hatten wir bewusst ausgelassen.

Villa Santa Lucia, dieser kleine Ort machte am 16. Dezember 2017, traurige Schlagzeilen als eine Flutwelle das halbe Dorf wegriss. Die Flutwelle zerstörte, laut der Betreiberin des Dorfladens, 21 Gebäude und kostete 28 Menschen das Leben.

Ausgelöst wurde sie durch schwere Regenfälle, 122 mm in 24 Stunden, die eine Gletscherablösung verursachte. Die Spuren sind auch heute, fast ein Jahr später, noch deutlich zu sehen.

Vom Dorfladen fuhren wir hoch zur Carretera Austral und bogen links, Richtung Süden, auf die Strasse ein. Asphaltiert, gut zu fahren. Puyuhuapi, unser Tagesziel, war ein paar Meter ab von der Carretera Austral. Superwarmes Wohnzimmer in der Unterkunft, mit einem netten kleinen Zimmer. Das Dorf bot einige kleine Läden und zwei, vielleicht drei, Restaurants. Unsere Gastgeber war sehr nett, so fragte ich mal wovon man in der Gegend lebt. Hauptsächlich Tourismus, etwas Ackerbau und im Winter Strassenbau…

Wir fanden den regionalen Reiseführer zur Carretera Austral, zwar auf Spanisch aber dennoch sehr informativ, erklärte er doch genau Sehenswürdigkeiten, Infrastruktur und Strassenbelag. Das meiste nicht direkt an der Carretera gelegen, vor allem die Sehenswürdigkeiten – alles Sackgassen – könnten die Kilometer unserer Reise entlang der Carretera fast verdoppeln. Erster Höhepunkt unserer Fahrt auf der Carretera Austral war der Ventisquero Colgante,

der „hängende Gletscher“ im Queulat-Nationalpark.

Am Fjord entlang, zwischen Bergen durch

und an Seen vorbei

ging es nach Coyhaique, wo wir uns mit Steve und seiner Africa Twin verabredet hatten.

Sonnenschein,

eine gute Strasse

und schöne Landschaft.

Eine Baustelle mit einem Café

in dem man auf die erste Grünphase warten konnte.

Leider war die Abzweigung zur unserem kleinen Zwischenziel mitten in der Baustelle, so dass wir sie verpassten.

Einstimmig beschlossen wir nicht umzudrehen, war doch die Baustellengeschichte hier ähnlich unorganisiert wie in Peru 🙂

Unser Ziel, Puerto Rio Tranquilo, war bald erreicht.

Die Suche nach einer Unterkunft etwas schwierig, konnte aber schliesslich erfolgreich abgeschlossen werden. Da wir noch Zeit hatten, unternahmen wir den Ausflug zu den Marmor-Höhlen gleich.

Ein 90-minütiger Bootsausflug zu den Wundern im General Carrera-See.

Hier sprechen Bilder mehr als Worte.

Diashow: Marmorhöhlen des Lago General Carrera

Zu unserer Freude entschloss sich Steve seine Pläne zu ändern und mit uns bis zum Ende der Carretera Austral, etwas hinter Villa O’Higgins zu fahren. Es folgte, was wir als den schönsten Teil der Carretera Austral empfanden. Eine kurze Fähre, gratis,

und das war’s. Wir hatten es geschafft! Ein weiterer Meilenstein unserer Reise war erreicht! Das Ende der Ruta 7, der Carretera Austral!

Die obligaten Fotos machen…

Dann blieb nur noch eines… Umdrehen!!!

Früh war es kalt.

Doch Steve feuerte gleich den Holzofen ein, so dass wir gemütlich frühstücken konnten bevor wir nach Norden fuhren.

Beim Verlassen des Ortes sahen wir etliche BMW-Fahrer, die ebenfalls aufluden.

Wir beeilten uns, wollten wir die Fähre doch gerne vor ihnen erreichen und nicht im Staub von 8 oder 10 weiteren Motorrädern fahren. Der Plan ging fast auf. Bei einer Pause überholten uns zwei.

Einen von ihnen hatte ich bald eingeholt/überholt. Vom Zweiten sah ich immer mehr Staub bis in einer Kurve plötzlich eine BMW im Strassengraben lag.

Gut erzogen wie ich bin, hielt ich an und half ihm sein Motorrad aufzuheben – ganz vergessend, dass mein E-Starter kaputt ist und ich die KTM nicht selber antreten kann. So musste ich auf Thomas warten. Wir erreichten die Fähre schliesslich im Mittelfeld, BMWs vor und hinter uns.

Die Stunde Wartezeit verging mit den argentinischen Motorradfahrern sehr schnell und endete im Austausch von WhatsApp-Nummern.

Diashow: Carretera Austral

Kurz hinter Cochrane bogen wir von der Carretera Austral ab.

Die Fahrt durch den Parque Patagonia, aufgebaut vom verstorbenen North Face-Gründer Douglas Tompkins und seiner Frau, war spektakulär.

Diashow: Parque Patagonia

Guanaco-Herden überall.

Dann die Felsformationen, wow!

Das Land ist wild, ursprünglich.

Weniger grün, mehr steppenartig als an der Carretera – irgendwie rauer und einsamer.

Es hätte mich nicht im Geringsten erstaunt, wenn hinter der nächsten Kurve plötzlich ein Dinosaurier aufgetaucht wäre 😀

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