Lebewohl (in) Südamerika!

Im Markt von San Telmo, Buenos Aires

Nach etwas mehr als zwei ruhigen, entspannten Wochen

– in denen unser Freund Steve

noch einige Tage bei uns verbrachte – ging es zum Flughafen. Unsere Destination: Puerto Iguazú.

Die Sitzreihen im Flugzeug waren so eng, dass Thomas gleich mit den Knien anstand. Bei der Vorführung der Notfallmassnahmen fehlte die Schwimmweste. Tatsächlich, keine unter dem Sitz; dafür eine Anmerkung am Klapptisch, dass das Sitzkissen als Schwimmhilfe dient. Nach dem Start flogen wir in einer grossen Schleife über den Rio de la Plata und ein Stück weit den Fluss hoch – ohne besagte Schwimmwesten 😀

Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% empfing uns Puerto Iguazú mit warmem Sonnenschein.

Puerto Iguazú

Schon am nächsten Tag brachte uns ein Bus nach Ciudad del Este, Paraguay. Obwohl der Bus durch Brasilien fuhr, mussten wir keine Ein-/Ausreise erledigen. Bald waren wir, im Besitz unseres Mietautos, auf dem Weg nach Westen. Die Landschaft, flach, grün, mit etwas Wald und der gelegentlichen Bodenwelle, erschien uns nicht fremd. Die vielen hellhäutigen, blond- oder braunhaarigen Menschen mit ihrer altmodischen Kleidung jedoch schon. Ah ja, die Mennoniten

Verschiedene Kräuter zur Zubereitung von kaltem und heissem Mate

Unser erster Stopp sollte San Bernardino sein. Von Deutschen/Schweizern am Lago Ypacaraí gegründet und heute Wochenenddestination der Wohlhabenden aus der Hauptstadt Asunción. Unter der Woche und noch dazu in der Nebensaison ein toter Ort mit unglaublich hohen Zimmerpreisen.

Das ist doch mal sauber abgeschlossen 🙂

Frustriert beschlossen wir noch nach Asunción weiterzufahren. Ha, 40 km und drei Stunden später bereuten wir die Entscheidung. Meine „Liebe“ zu Paraguay stieg ins Unermessliche, als sich die Koordinate des Hotels als falsch heraus stellte und das Zimmer als sein Geld nicht wert. Das libanesische Restaurant mit seinen leckeren Falafel söhnte uns etwas aus.

Asunción wird manchmal mit Buenos Aires verglichen. Keine Ahnung wieso. Es ist wesentlich kleiner. Es gibt keinen Tango und keine Fussgängerzone. Ein Favela liegt mitten in der Stadt. Tönt schlimm, ist es eigentlich aber nicht.

Unser Tag in Asunción begann am Frühstücksbuffet im Nachbarhotel, ein x-Sterne-Schuppen, der zur gleichen Kette gehörte wie unseres. Bei Sonnenschein und hoher Luftfeuchtigkeit begannen wir mit dem Erkunden der Stadt. Im Manzana de Rivera, eine Ansammlung von neun alten, restaurierten Häusern, erbot sich die Museumsaufsicht des „Museo Memoria de la Ciudad“ als unerwünschte Führerin. Doch lernten wir von der entzückenden jungen Dame etliches. So zum Beispiel, dass Paraguay als erstes südamerikanisches Land seine Unabhängigkeit erklärte. Oder dass um 1820 herum die ganze existierende Stadt – mit Ausnahme von zwei oder drei Gebäuden – abgerissen wurde, um danach in quadratischen Häuserblöcken (Hippodamisches Schema, Planstadt) wieder aufgebaut zu werden.

Palacio de Lopez, der paraguayanische Regierungssitz, hat nur eine Ähnlichkeit mit dem Casa Rosada in Buenos Aires – seine rosa Farbe 🙂

Das hiesige Cabildo ist etwas unangenehm zu erreichen, denn der grosse Park, den der Stadtplan verspricht, ist in ein Favela umgewandelt. Ansonsten bietet es ein kleines Museum zur Immigration, eine tolle Treppe

und eine Sicht auf die Bahia Asunción.

Doch das Faszinierende an Asunción ist, durch seine Strassen zu schlendern, ein Auge auf den Boden geheftet,

und den Blick über die Hauswände streifen zu lassen.

Hier haben Künstler überdimensionale Leinwände gefunden,

auf denen sie auf eindrückliche Weise ihre Wurzeln

und ihre Kultur zum Ausdruck bringen.

Diashow: Asunción

Für die nächsten Tage war leider wieder Regen angesagt. Dennoch machten wir uns auf den Weg nach Süden, Richtung Encarnación. Bald lernten wir, dass wenn die Warnung „Achtung, Wasser auf der Strasse“

auf einem Strassenschild auftaucht, diese unbedingt ernst zu nehmen ist.

Auf dem Weg lockte der Templo de San Buenaventura, eine kleine, unscheinbare Kirche mit einem unglaublich prunkvollem Innenraum.

Doch als wir an der Kirche eintrafen, war die Tür geschlossen – Mittagspause. Nun sind ja viele südamerikanische Mittagspausen nicht so, dass man einfach in ein Café sitzen und warten kann. Nein, sie dauern drei, vier Stunden. Doch der Wächter, gerade am Gehen, bot sich an für einen kleinen Obolus Überstunden zu machen.

Wir Deppen hatten weder Handy noch Kamera dabei – lag alles im Auto.

Ganz im Süden des Landes, an der Grenze zu Argentinien, liegen die Departemente Misiones und Itapúa. Misiones (Missionen) deutet auf die Jesuitenreduktionen hin,

Misión jesuítica de San Cosme y Damián

die hier in beiden Departementen sehr erfolgreich aufgebaut und betrieben wurden. Von 1609 bis 1768 haben die Jesuiten in Südamerika Hunderttausende von Ureinwohnern in diesen Reduktionen zusammengeführt, um sie vor dem Sklavendasein und dem Tod zu schützen. Aber auch um ihnen das Christentum näher zu bringen – ohne sie ihrer Kultur und Sprache zu berauben. Das Kunsthandwerk aus diesen Reduktionen ist immer noch sehr bekannt und begehrt.

Misión jesuítica de Jesús de Tavarangüé

Doch genau dieser Erfolg wurde den Jesuiten zum Verhängnis. Sie wurden 1768 sie vom Vatikan und dem Spanischen Hof gewaltsam aus Südamerika vertrieben.

Misión jesuítica de Jesús de Tavarangüé

Rund 30 verfallene Missionsstationen gibt es in Südamerika noch, etliche sind UNESCO-Kulturgut. Mindestens drei davon liegen in den besagten Departementen Misiones und Itapúa.

Misión jesuítica de Jesús de Tavarangüé

Der Film „Mission“ mit Robert de Niro, Jeremy Irons und Liam Neeson war vor diesem Hintergrund unser „Kinoprogramm“ am verregneten Abend.

Misión jesuítica de La Santísima Trinidad de Paraná

Die Misión jesuítica de San Cosme y Damián war unser aller erster Eindruck von diesen Reduktionen. Durch Fehlinformation sahen wir nicht ganz so viel von der Reduktion wie möglich gewesen wäre. Doch auch so war sie, durch das restaurierte Dach, recht imposant.

Misión jesuítica de San Cosme y Damián

Im Gegensatz dazu hatte uns Encarnación nichts zu bieten. Bekannt für den grössten Karneval von Paraguay fanden wir die Stadt ansonsten wenig reizvoll. Sie bietet sich jedoch als Ausgangsort zur Erforschung der Umgebung an.

Misión jesuítica de La Santísima Trinidad de Paraná

In Sachen Missionen wurden unsere Sinne mit den Verbleibenden beinahe überreizt. Die Misión jesuítica de La Santísima Trinidad de Paraná verfügt über ein interessantes kleines Museum und einen imposanten Aussenbereich.

Misión jesuítica de La Santísima Trinidad de Paraná

Bis zu 4‘000 Guaraní lebten zu Spitzenzeiten hier.

Praktisch neben an liegt Misión jesuítica de Jesús de Tavarangüé.

Vorbei an Maté-Stauden (wir haben nie herausgefunden, wie sie wirklich aussehen) und Mennonitensiedlungen ging es zurück nach Ciudad del Este.

Dort fragte uns die Autovermietung, ob das Auto sauber sei. Limpio??? Sauber??? Im Leben nie, nach dem Matsch und Regen… Nun, das Auto müsse gereinigt zurückgegeben werden :-O

Wenig blieb noch zu tun bevor unser Rückflug nach Buenos Aires angesagt war.

Puerto Iguazú

So spazierten wir zum Drei-Länder-Eck,

gebildet durch den Zusammenfluss des Río Iguazú und des Río Paraná,

von Argentinien, Brasilien und Paraguay.

Kleine Flussfahrt, gefällig?

Ein Höhepunkt blieb uns jedoch noch: die Iguazú-Fälle!

Wie so oft, sagen Bilder mehr als Worte.

Diashow: Iguazú-Fälle

Doch ein, zwei muss ich doch darüber verlieren.

Es ist unglaublich, wie viele Schmetterlinge es an den Fällen gibt.

Sie setzen sich auf T-Shirts, Mützen, Arme und Hände…

Was für ein gigantischer Abschluss für eine unglaubliche Fülle an südamerikanischen Eindrücken und Erlebnissen!!!

Zurück in Buenos Aires

Sicht auf Buenos Aires von unserem Wohnhaus

blieb uns nur noch die Motorräder an den Flughafen zu schaffen

und zu zuschauen,

wie sie eingepackt wurden.

Die Zeit war gekommen, aus dem Herbst in den Frühsommer aufzubrechen!

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