Wieder auf der Ruta 40

Aus der „Jurassic Park“-Landschaft des Parque Patagonia kommend, wurde die Landschaft Richtung Ruta 40 flacher.

Auch der Wind nahm etwas zu. Ortschaften, Tankstellen und Unterkünfte sind in diesem Teil von Argentinien nicht ganz so häufig.

Wir entschieden uns für Bajo Caracoles – Tankstelle, Restaurant, Laden und Hotel in einem.

Alles nicht ganz so toll, aber die Ausweichmöglichkeit war 80 km weiter die Strasse runter, ohne Garantie auf Verbesserung.

Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen… Einig waren wir drei, dass wir uns an die alte Strassenführung der Ruta 40 – heute Ruta 29 – halten würden.

Die Fahrt wurde durch den Wind, Guanacos und dem gelegentlichen Nandu geprägt.

Steve wollte gerne auf einer Estancia, einer Schaffarm, übernachten.

Preislich an der oberen Grenze für was in Sachen Unterkunft geboten wurde.

Aber das Abendessen, eine argentinische Lamm-Parrillada, war die Wucht.

Nach einem herzhaften Frühstück nahmen wir den „schlimmsten“ Teil der Ruta 40 in Angriff. Tiefe Spurrillen im Kies mit erheblichem Seitenwind waren in Aussicht gestellt. In solchen Fällen ist die Erwartungshaltung immer entscheidend.

Meine Knie zitterten beim Gedanken an den Kies und den Seitenwind. Ich sah mich bereits irgendwo in der Pampa liegen. Irgendwann kam das Signal, dass diese verteufelten 30 km beginnen. Vielleicht liegt es nun an besagter Erwartungshaltung, aber es war alles nicht so schlimm. Ja, da war Kies. An einigen Stellen sogar etwas tiefer. Ja, man musste sich sehr konzentrieren um eine gute Spur zu finden und zu halten.

Aber, wir fuhren mit 50 – 60 km/h. Sogar einen grossen Überlandbus überholten wir noch.

Dann war der Spuk zu Ende, guter Asphalt bis zur Abzweigung auf die Ruta Provincial 23.

Den Abstecher hatten Thomas und ich uns eigentlich sparen wollen, denn es war eine 88 km lange Sackgasse.

Doch Steve wollte unbedingt hin…

Kaffeepause in El Chaltén

Ganz ehrlich, man muss den Fitz Roy einfach gesehen haben.

Tut man auch von der Ruta 40 – aus der Ferne. Doch die Fahrt ist schön –

mit dem Wind muss man einfach leben; der bläst, egal in welche Richtung man fährt.

Genau auf halber Strecke zwischen El Chaltén,

am Fusse des Fitz Roy, und El Calafate, Zugangsort zum Perito Moreno-Gletscher, befindet sich der historische Parador La Leona.

Tankstelle, Hotel, Laden und Restaurant in einem bot er sich für unsere Kaffeepause an.

1894 gründete eine dänischen Immigrantenfamilie den Parador. 17 Jahre früher war an dieser Stelle Francisco P. Moreno (Perito Moreno) von einem weiblichen Puma angefallen worden.

1905 suchten drei „Gringos“ einen Unterschlupf für die Nacht auf dem Weg zur Chilenischen Grenze. Erst einige Zeit später erkannte der Betreiber anhand von Fotos, die ihm die Polizei unter die Nase hielt, seine Gäste. Es handelte sich hierbei um Butch Cassidy und Sundance Kid sowie dessen Frau Ethel Place, die kurz zuvor eine Bank in Rio Gallegos – weiter südlich in Argentinien, ausgeraubt hatten.

Unsere kleine Cabaña in El Calafate begrüsste uns mit kleinen Handtuch-Elefanten auf dem Bett.

Steve hatte es eilig den Perito Moreno-Gletscher zu sehen bevor er nach Ushuaia weiterfuhr.

Er wollte unbedingt Weihnachten am Ende der Welt verbringen.

Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher der Welt die sich nicht zurückziehen, sprich nicht kleiner werden.

Berühmt ist er, weil er oft in den See kalbt. Da das Wetter nicht ganz so gut war, sahen wir dieses Naturschauspiel nur einmal.

Doch er knistert und knallt – wie ein Pistolenschuss – ziemlich regelmässig.

Auch bei schlechtem Wetter bietet der Gletscher einen einmaligen Anblick.

Carretera Austral

Zuerst einmal – was ist eigentlich die Carretera Austral? Da tauchen Schlagwörter wie längste Sackgasse der Welt, ultimativer Roadtrip, eine Schotterstrasse vorbei an Gletschern, durch Flüsse und an Seen entlang, auf.

Es ist eine, offiziell, 1‘247 km lange Strasse, die von Puerto Montt nach Villa O’Higgins führt. 1976 gab Präsident Augusto Pinochet den Auftrag zum Bau dieser unglaublichen Strasse, welche 1996 bis Puerto Yungay fertig gestellt war. Die letzten 102 km, bis Villa O’Higgins, wurden erst im Jahr 2000 gebaut. Kosten: lächerliche 200 Mio. USD plus Kleingeld. Die Bautruppen mussten nicht nur mit der Isolation kämpfen sondern regelrecht die Natur bezwingen. Primärwald, Fjorde, Sümpfe, Flüsse, Seen, Berge und Täler. Zusätzlich zur Carretera baute das Cuerpo Militar del Trabajo auch noch 227 km zuführende Strassen. Während mehr als 20 Jahren bauten sie 3,086 m Brücke, bewegten 4,082,344 m3 Erde und 7,955,618 m3 Fels; verwendeten mehr als 500 t Sprengstoff und errichteten 27 Camps. Das Meiste davon von Hand konnten schwere Maschinen doch nur über die bereits errichtete Strasse eingeführt werden. Diese versorgt nun 37 Ortschaften auf ihrer Gesamtlänge.

Zwischen Coyhaique und Puerto Rio Tranquillo

Der Grenzübergang in Futaleufú ist klein und braucht kaum Zeit. Die Beamten sind gradlinig, aber freundlich. Nun ist es nicht so, dass man gleich auf die Carretera Austral kommt. Nein, erst folgt man dem Lauf des Rio Futaleufú, einem Wildwasser-Paradies für Kayaker und Rafter, bis zum Yelcho-See.

Noch ein Stück weiter erreicht man nach 86 km in Villa Santa Lucia die Carretera Austral. Den Beginn der Carretera Austral, von Puerto Montt bis Villa Santa Lucia, 243 Strassenkilometer und 3 Fähren, hatten wir bewusst ausgelassen.

Villa Santa Lucia, dieser kleine Ort machte am 16. Dezember 2017, traurige Schlagzeilen als eine Flutwelle das halbe Dorf wegriss. Die Flutwelle zerstörte, laut der Betreiberin des Dorfladens, 21 Gebäude und kostete 28 Menschen das Leben.

Ausgelöst wurde sie durch schwere Regenfälle, 122 mm in 24 Stunden, die eine Gletscherablösung verursachte. Die Spuren sind auch heute, fast ein Jahr später, noch deutlich zu sehen.

Vom Dorfladen fuhren wir hoch zur Carretera Austral und bogen links, Richtung Süden, auf die Strasse ein. Asphaltiert, gut zu fahren. Puyuhuapi, unser Tagesziel, war ein paar Meter ab von der Carretera Austral. Superwarmes Wohnzimmer in der Unterkunft, mit einem netten kleinen Zimmer. Das Dorf bot einige kleine Läden und zwei, vielleicht drei, Restaurants. Unsere Gastgeber war sehr nett, so fragte ich mal wovon man in der Gegend lebt. Hauptsächlich Tourismus, etwas Ackerbau und im Winter Strassenbau…

Wir fanden den regionalen Reiseführer zur Carretera Austral, zwar auf Spanisch aber dennoch sehr informativ, erklärte er doch genau Sehenswürdigkeiten, Infrastruktur und Strassenbelag. Das meiste nicht direkt an der Carretera gelegen, vor allem die Sehenswürdigkeiten – alles Sackgassen – könnten die Kilometer unserer Reise entlang der Carretera fast verdoppeln. Erster Höhepunkt unserer Fahrt auf der Carretera Austral war der Ventisquero Colgante,

der „hängende Gletscher“ im Queulat-Nationalpark.

Am Fjord entlang, zwischen Bergen durch

und an Seen vorbei

ging es nach Coyhaique, wo wir uns mit Steve und seiner Africa Twin verabredet hatten.

Sonnenschein,

eine gute Strasse

und schöne Landschaft.

Eine Baustelle mit einem Café

in dem man auf die erste Grünphase warten konnte.

Leider war die Abzweigung zur unserem kleinen Zwischenziel mitten in der Baustelle, so dass wir sie verpassten.

Einstimmig beschlossen wir nicht umzudrehen, war doch die Baustellengeschichte hier ähnlich unorganisiert wie in Peru 🙂

Unser Ziel, Puerto Rio Tranquilo, war bald erreicht.

Die Suche nach einer Unterkunft etwas schwierig, konnte aber schliesslich erfolgreich abgeschlossen werden. Da wir noch Zeit hatten, unternahmen wir den Ausflug zu den Marmor-Höhlen gleich.

Ein 90-minütiger Bootsausflug zu den Wundern im General Carrera-See.

Hier sprechen Bilder mehr als Worte.

Diashow: Marmorhöhlen des Lago General Carrera

Zu unserer Freude entschloss sich Steve seine Pläne zu ändern und mit uns bis zum Ende der Carretera Austral, etwas hinter Villa O’Higgins zu fahren. Es folgte, was wir als den schönsten Teil der Carretera Austral empfanden. Eine kurze Fähre, gratis,

und das war’s. Wir hatten es geschafft! Ein weiterer Meilenstein unserer Reise war erreicht! Das Ende der Ruta 7, der Carretera Austral!

Die obligaten Fotos machen…

Dann blieb nur noch eines… Umdrehen!!!

Früh war es kalt.

Doch Steve feuerte gleich den Holzofen ein, so dass wir gemütlich frühstücken konnten bevor wir nach Norden fuhren.

Beim Verlassen des Ortes sahen wir etliche BMW-Fahrer, die ebenfalls aufluden.

Wir beeilten uns, wollten wir die Fähre doch gerne vor ihnen erreichen und nicht im Staub von 8 oder 10 weiteren Motorrädern fahren. Der Plan ging fast auf. Bei einer Pause überholten uns zwei.

Einen von ihnen hatte ich bald eingeholt/überholt. Vom Zweiten sah ich immer mehr Staub bis in einer Kurve plötzlich eine BMW im Strassengraben lag.

Gut erzogen wie ich bin, hielt ich an und half ihm sein Motorrad aufzuheben – ganz vergessend, dass mein E-Starter kaputt ist und ich die KTM nicht selber antreten kann. So musste ich auf Thomas warten. Wir erreichten die Fähre schliesslich im Mittelfeld, BMWs vor und hinter uns.

Die Stunde Wartezeit verging mit den argentinischen Motorradfahrern sehr schnell und endete im Austausch von WhatsApp-Nummern.

Diashow: Carretera Austral

Kurz hinter Cochrane bogen wir von der Carretera Austral ab.

Die Fahrt durch den Parque Patagonia, aufgebaut vom verstorbenen North Face-Gründer Douglas Tompkins und seiner Frau, war spektakulär.

Diashow: Parque Patagonia

Guanaco-Herden überall.

Dann die Felsformationen, wow!

Das Land ist wild, ursprünglich.

Weniger grün, mehr steppenartig als an der Carretera – irgendwie rauer und einsamer.

Es hätte mich nicht im Geringsten erstaunt, wenn hinter der nächsten Kurve plötzlich ein Dinosaurier aufgetaucht wäre 😀

Wenn in Patagonien der Ginster blüht

Zurück in Argentinien, zurück auf der Ruta 40 – die legendäre Strasse, die von der bolivianischen Grenze fast bis nach Ushuaia geht. Der Teil der Ruta 40, der durch den Seen-Bezirk führt, ist auch als Camino de los siete Lagos (Strasse der sieben Seen) bekannt.

Diese sieben Seen (Machónico, Falkner, Villarino, Escondido, Correntoso, Espejo und Nahuel Huapi) liegen an der Strecke, genau wie der Lanin– und der Nahuel Huapi-Nationalpark.

San Martín de los Andes, unser erster Stop im argentinischen Seen-Bezirk, war ein so reizendes Städtchen, da konnten wir nicht bloss eine Nacht bleiben.

Wir spazierten durch den Ort, sassen in der Sonne und beobachteten das Leben.

Der Seen-Bezirk ist natürlich für seine Seen bekannt. Umrahmt von den Bergen bilden sie eine schöne Kulisse. Doch wirklich fasziniert hat uns die unglaubliche Menge an Ginster.

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Ginster gesehen. Ganze Berghänge, Flussläufe und Strassenränder leuchtend gelb.

Der Duft war teilweise so intensiv, dass ich ihn sogar während der Fahrt im Helm riechen konnte. Während sich das Auge an der gelben Masse erfreut, scheinen die Landwirte nicht ganz so angetan vom Ginster. Es es eine eingeschleppte, invasive Pflanze, die sich mehr und mehr ausbreitet.

Im Frühjahr blüht Patagonien – Bäume, Sträucher, Gräser, auf Weiden und in Gärten – eine Pracht. Ganze Wiesen voller Lupinen, erst hauptsächlich die Blauen, dann auch die Rosaroten und später die Gelben.

Von San Martín de los Andes bis hinter San Carlos de Bariloche führt die Ruta 40 durch den Seen-Bezirk. In dieser „deutschsten“ aller argentinischen Städte sind wir nicht geblieben. Sie sprach uns bei der Durchfahrt zu wenig an. Doch ist San Carlos de Bariloche auch bei uns ein bekannter Name. Sind nach dem 2. Weltkrieg doch viele Deutsche nach Argentinien ausgewandert. Darunter auch Herren der SS und andere Nazis, die sich in besagtem San Carlos de Bariloche niedergelassen haben.

Danach wird die Landschaft flacher, rauer. Doch der gefürchtete patagonische Wind lässt noch auf sich warten.

Da wir immer wieder gehört hatten, wie unberechenbar das Wetter in Patagonien sei – mit starkem Regen und stürmischen Winden – beschlossen wir den Seen-Bezirk nicht weiter zu erforschen, sondern die angekündigte Schön-Wetter-Periode auf der Carretera Austral in Chile auszunutzen. Kurz vor Esquel verliessen wir die Ruta 40. Wir würden weiter südlich wieder auf sie zurückkehren.

Doch erstmals ging es Richtung Westen. Auf nach Chile!

Araukarien und Lavaströme

English version

Santiago verlassend, wollten wir auf dem Weg nach Süden möglichst wenig Schnellstrasse fahren. Es ist nicht immer so angenehm zu den langsamsten Verkehrsteilnehmern zu gehören, wenn es auf den Landstrassen doch genau umgekehrt ist 😉

So fuhren wir erst Richtung Westen an die Küste – mit einer Empanada-Pause in Pomaire. Verbrachten die Nacht im unspektakulären Pichilemu an der Küste, bevor wir wieder Inland abdrehten zur „Reserva Nacional Radal Siete Tazas“. In Lolol konnten wir der Versuchung des lokalen Cafés nicht widerstehen.

Zu sehr genossen wir dieses kleine Andenken an Europa, dass Chile doch in sehr regelmässigen Abständen bot.

Die „Sieben Tassen“ verdanken ihren Namen einer Reihe von sieben Teichen,

die durch je einen Wasserfall miteinander verbunden sind.

In Talca verbrachten wir einen netten Abend mit Steve, Arjan und dessen Freund Greg. Natürlich musste Thomas am Morgen einige Zuschauer, und die damit einhergehenden schlauen Sprüche, über sich ergehen lassen, als er unsere beiden KTM’s – wie jeden Morgen in den letzten vier Monaten – antrat 😀

Ja, in solchen Momenten wünschen wir, es wäre schon der 10. Januar 2019 und unser Freund Peter würde mit den notwendigen Ersatzteilen, die er uns so liebenswürdigerweise aus Deutschland mitbringt, endlich in Ushuaia landen. Aber leider wird das noch etwas dauern.

Wieder kurvten wir an die Küste. Verbrachten zwei Nächte in einer kleinen Cabaña – auch Hütte oder Bungalow genannt – am Strand von Cobquecura. Attraktion des Ortes sind einige Felsen, 50 m vom Strand entfernt, die von einer Seelöwenkolonie bevölkert sind. Das Gebrüll der Männchen ist über die Distanz problemlos zu hören.

Unsere Strategie weiter der Küste entlang nach Süden zu fahren erwies sich als unwirksam. Wir endeten genau wo wir nicht enden wollten – auf der Schnellstrasse und in der Stadt Concepción. Die Autobahn war ziemlich leer, bis auf ein unglückliches Pudu – einer der seltenen kleinsten Hirsche der Welt – das verzweifelt versuchte die Autobahn zu überqueren. Dabei lief es erst Thomas vors Motorrad, rutschte dann auf dem Asphalt aus und entging nur knapp meinen Rädern.

Doch dann kam die Fahrt durch den Nahuelbuta-Nationalpark. Kiefernwälder. Ha, eine Art Kiefer, die wir garantiert nicht kennen. Dummerweise sind die „Kiefern“ so hoch, dass ich mir beinahe den Hals verdrehte.

Ausserdem war es schwierig das Motorrad in Spur zu halten. Ich musste gucken, gucken, gucken! Na, vielleicht war es doch eher starren, starren, starren 😀 Also, diese Kiefern sind eigentlich Araukarien, eine Koniferen-Art. Sie werden bis zu 89 m hoch und an die 1‘000 Jahre alt. Auf mich wirkten die Araukarien unglaublich archaisch, wie Überbleibsel der letzten Eiszeit.

In Temuco stand uns ein etwas längerer Aufenthalt bevor, sollten wir hier doch unsere bestellten Ersatzteile beim KTM-Händler abholen können. Doch Mandi und John, unsere Freunde aus Florida in ihrem Ford, erklärten sich bereit uns Gesellschaft zu leisten. Sie übernachteten direkt vor unserer Haustür. Der Wein floss reichlich und die Nächte waren gefüllt mit Gelächter sowie angeregter Unterhaltung. John betätigte sich als Hiwi (Hilfswilliger) für meinen absoluten Lieblingsmechaniker,

half beim Bremsscheiben- und Reifenwechsel. Dann war es an der Zeit unsere Ersatzteile abzuholen. Innerhalb von wenigen Tagen fielen mir zum zweiten Mal fast die Augen aus dem Kopf.

Was für ein Laden!

Und Richard, der Besitzer, ist ein Schatz. Er bot Thomas gleich an, in der Werkstatt arbeiten zu können.

Wir mussten auf sein Angebot zurückgreifen.

Ein Lager an beiden hinteren Federungen

musste ausgetauscht werden.

Schliesslich waren unsere Motorräder wieder flott. Mandi und John reisten Richtung Pucón weiter, während Thomas und ich uns erstmal den Nationalpark anschauen wollten, aus dem sie gekommen waren. Im Conguillío-Nationalpark hatten sie die unbefestigte Strasse noch nicht für die kommende Hochsaison präpariert. Einige Spurrillen wie auch Pfützen gestalteten die Fahrt interessant bis die „grosse“ Aussicht kam. Womit ich nicht den unübersehbaren Vulkankegel meine…

Erst fuhren wir durch einen kleinen Dschungel,

dann durch einen weiteren Araukarien-Wald

und schliesslich durch ein breites Lavafeld.

Zum krönenden Abschluss nochmals Araukarien.

Ich bin wirklich Fan dieser Bäume, könnte stundenlang da sitzen und sie betrachten. Allein der Stamm…

Dann die Zweige…

Aus dem Huerquehue-Nationalpark erhielten wir dieses Foto.

Ah, vier – naja, eigentlich fünf – unserer Freunde an einem Ort vereint. Da konnten wir ja nicht fehlen. Doch nach einer nicht ganz so gemütlichen Nacht zogen wir es vor noch etwas Zeit in Pucón zu verbringen.

Mandi und John schlossen sich uns an, während Coco, Takeshi und Wasabi noch eine weitere Nacht im Nationalpark verbringen wollten. Etwas schweren Herzen trennten wir uns schliesslich von unseren Freunden. Sie wollten weiter in Chile bleiben, während wir nach Argentinien weiterziehen würden. Autofahrer sind einfach die langsameren Reisenden – leben sie doch in ihrem mobilen Haus.

Im Huilo Huilo-Nationalpark brachte uns eine Fähre über den Lago Pirihueico bis kurz vor die argentinische Grenze.

Etwas Luxus in Santiago de Chile

English version

Ab und zu braucht Frau – egal wie genügsam sie ist – etwas Luxus 😀

Richtung Santiago de Chile fahrend, rechnete ich nicht im Geringsten damit. Nein, wichtiger war mir die Frage, wie kommen wir in diese Millionenstadt ohne stundenlang herumzuirren und an Ampeln zu stehen. 

Ha, ein Klecks. Eine kleine Baustelle, Autobahn mitten durch die Stadt und dann nur noch ein paar Häuserzeilen und schon standen wir in der Tiefgarage unseres temporären Heims.

Wohnung mit Einstellhallenplatz hatten wir auf AirBnB gebucht. Da Coco, Takeshi’s Frau, in Japan war, wollten wir den Beiden etwas Gesellschaft leisten.  So würden später am Abend noch Takeshi und Wasabi zu uns stossen.

Hat man online etwas gebucht, ist da immer ein gewisses Gefühl in der Magengrube –eine gewisse Erwartungshaltung. Nach Betreten der Wohnung stellte ich mir nur noch die Frage: Habe ich das wirklich gebucht? Stylish, in weiss-grau-silberTönen, mit dezenten farbigen Akzenten. Auf dem Frühstückstresen der kleinen Küche ein persönlicher, handgeschriebener Willkommensgruss. 

Im Badezimmer nicht die üblichen kleinen Billigseifen oder gar mit Wasser verdünnte Flüssigseife. Nein, nigelnagelneue Flaschen einer etwas teureren Pflegeproduktreihe. 

Wer will da noch von den flauschigen Badetüchern und dem Daunenduvet schreiben… Obwohl, des Nachts mal nicht den Druck der Kilos von Wolldecken auf den Beinen zu haben – ein wirklich befreiendes Gefühl. Da hatte ich meinen Luxus – schön verpackt mit einer riesigen Schleife 😀

Die Freude wurde etwas gedimmt als Takeshi eintraf. Sein Auto war, mit der Dachbox, zu hoch um in die Tiefgarage zu passen. Auch bot die Tiefgarage keinen Platz für die Dachbox. Es kam, wie es kommen musste – die Box endete in unser Designer-Apartment! Ja, doch… Ich wollte schon immer mal mein Wohnzimmer mit einer Yakima-Box teilen 😦

Alle nutzten wir die Gelegenheit unsere Sachen in Ordnung zu bringen. Ersatzteile organisieren, neue Reifen besorgen und all die Kleinigkeiten, die so anfallen. 

Natürlich erkundeten wir auch die Stadt, zumindest in Laufentfernung. Genossen die leckeren, in diesem Fall sehr deutschen, Angebote der Bäckereien und Supermärkte. Doch davon in einem anderen Post – man muss ja die Spannung aufrechterhalten 😉

Unsere täglichen Spaziergänge erfreuten und erschöpften Wasabi, 

der bei unserer Rückkehr ins Apartment meist ein Nickerchen machte.

Santiago ist eine recht moderne Stadt. 

Nicht alles neu,

nicht alles modern. 

Aber mit hübschen Ecken,

gemütlichen Cafés und ihrem ganz eigenen Flair.

Natürlich darf, wenn man schon in der gleichen Stadt ist und sich von ADVrider kennt, auch ein Treffen mit anderen Motorradfahrern nicht fehlen. Arjan und Steve wohnten nicht weit von uns und hatten auch keine Probleme mit dem Autofahrer in unserer Mitte – so blieb es nicht bei einem Bier/Kaffee…

Vom Luxus einer Klobrille und eines Duschkopfs

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen Eindruck im Leben von Reisenden hinterlassen. Sie bringen einen zum Lächeln, lassen einen den Kopf schütteln und gelegentlich bieten sie Gesprächsstoff für lange Fahrtage.

So gehören Klobrillen und Duschköpfe zu unserem Leben, ohne dass wir uns normalerweise Gedanken darüber machen. Wo muss man sich bei uns schon überlegen, ob es da, wo man hingeht auch ein Klo haben wird? Oder wenn man ein Zimmer bucht, ob die Unterkunft überhaupt eine Dusche oder Badewanne haben wird?

Nun ja, beim wild campen hat man selbstverständlich keines von beidem. Weiss man ja, oder? Dass man jedoch bei der Auswahl einer Unterkunft eine Checkliste braucht, ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Auch heute noch vergesse ich immer wieder was auf meiner 10-Punkte-Liste. Ich komme zurück, glücklich was gefunden zu haben, und Thomas stellt eine Frage zur Unterkunft. Natürlich genau über den Punkt, der mir heute entgangen ist.

Doch immer wieder gibt es Überraschungen. Dinge, die einem bei der Besichtigung des Zimmers oder aufgrund der Aussage der Rezeption nicht auffallen. Doch die Qualität der Örtlichkeiten ist etwas, dass man bemerkt.

So war die Entwicklung von Kirgistan, durch Russland und weiter durch Korea nach Japan schon bemerkenswert. Natürlich stellt sich auch öfters die Frage, wie hätten Sie ihre Klobrille gerne? Gepolstert, beheizt, Holz, Kunststoff.

In Kolumbien waren wir dann in diesem wirklich schönen Hotelzimmer, alles perfekt. Aber die Betreiber fanden es entweder nie für nötig eine Klobrille zu installieren – schon gar keinen Duschkopf – oder ein anderer Gast hat beides einfach in sein Auto geladen. Wer weiss…

In Peru und Bolivien wurden wir öfter „al campo“ – aufs Feld – geschickt. Ganze Busladungen von Reisenden stehen oder kauern einfach in der Wiese. Ein guter Grund als Frau keine Hose zu tragen.

Nun ist das mit den Duschköpfen ja auch so eine Sache. Wenn es welche hat, gibt es ebenfalls Varianten. Doch mit oder ohne Duschkopf ist heisses Wasser keine Selbstverständlichkeit. In Zentralamerika ein oft unnötiger Luxus, wird es in den Anden doch ein weiterer Punkt auf der Liste, den es zu prüfen gilt. Sehr beliebt sind hier die Todesduschen – Duschköpfe, die selber heisses Wasser produzieren. Der Duschkopf an sich ist wohl selten das Problem. Doch die Stromversorgung eben dieses ist oft mehr als nur abenteuerlich.

Argentiniens Norden

Das schöne, heisse Wetter verliess Salta,

Kundenwünsche, wenn auch aussergewöhnlich, werden hier erfüllt

wir blieben.

Eiskaffee gibt es offiziell nicht – Eis und Becher werden jedoch gerne geliefert

Thomas nutzte den letzten schönen Tag um Service an den Motorrädern zu machen.

Recycling in bester Form – Transformation einer Bierflasche zum Trinkglas

Nachdem wir von verschiedenster Seite gehört hatten,

Salta

wie sehenswert der Norden von Argentinien sein soll, wollten wir nicht in schlechtem Wetter weiterfahren.

Salta

Stattdessen verbrachten wir eine Woche in einem kleinen AirBnB ausserhalb von Salta. Wir genossen den regionalen Wein und das füllige Angebot an Leckereien.

Schweinskotlett und Rösti

Ausserdem schraubte Thomas

Meine Benzinpumpe

noch etwas an den Motorrädern.

Antreten geht in Flipflops schlecht

Unter bewölktem Himmel fuhren wir los. Die RP (ruta provincial) 33 führte uns über/durch die Berge weiter zur berühmten RN (ruta nacional) 40. Ein kakteengesäumtes Tal entlang in den Parque Nacional Los Cardones, wo Thomas auf der Passhöhe den Abstecher ins Valle Encantado (verwunschenes Tal) verpasste. Doch der stahlblaue Himmel, und weitere Kakteen, liessen keine Enttäuschung darüber aufkommen. Nach einer kurzen Pause im hübschen Städtchen Cachi ging es über die unbefestigte RN 40 Richtung Süden. Nun wurde die Landschaft ganz einfach atemraubend. Die Pfeile der Quebrada Las Flechas trafen uns völlig unerwartet – ist sie doch im Reiseführer kaum erwähnt. Cafayate war eine weitere sehr angenehme Überraschung. Gerne verbrachten wir einen Tag im gemütlichen Rhythmus der Region. Morgens Kaffee trinken am Hauptplatz, mittags Empanadas und Torrontes in einer Seitengasse und abends Picknick im Garten des Hostels. Was will man mehr vom Leben 😀

Die ausführlich beschriebene und viel gepriesene Quebrada von Cafayate

Garganta del Diablo – Kehle des Teufels

wollten wir uns auf der Weiterreise nicht entgehen lassen.

Anfiteatro – Amphitheater

Ein Abstecher auf die RN 68,

Las Ventanas – die Fenster

dann auf der RN 40 Richtung Süden. Auch der Parque de los Menhires war uns, aufgrund der Beschreibung im Reiseführer, einen Umweg wert. Würde ich nicht unbedingt empfehlen, wenn die Menhire nicht sowieso am Weg liegen. Die meisten Menhire stehen nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort und sind zumeist stark verwittert.Aufgrund der fortwährenden Probleme mit der Benzinversorgung meines Motorrads verbrachten wir eine unerwartete Pause in Santa Maria.

Beweis, dass meine Benzinpumpe funktioniert?

Südlich davon ist die Landschaft ein eigenartiger Mix aus Wüste, Steppe, Weinbaugebiet und gelegentlicher Viehzuchtregion.

Quebrada de Cafayate

Erstaunt haben uns die grossen Distanzen zwischen Infrastruktur (Tankstellen, Restaurants, Hotels), die nicht unbedingt angekündigt werden. Anscheinend ist man in Argentinien daran gewöhnt 😉

Quebrada de Cafayate

Der Aufenthalt in San Juan verlief angenehm ruhig. Mendoza ist nun für eine Weile unser letzter Stopp in Argentinien.

Vom Regen in die Traufe

Wir hatten viel von Bolivien gehört. Viele Leute schwärmen von der landschaftlichen Schönheit. Andere beklagen sich über die Berge von Müll. Wieder andere äussern sich zur Gesellschaft – wie schlecht die Frauen behandelt werden.

Der Wechsel von Peru nach Bolivien war nicht bemerkenswert. Der Titicacasee sieht von beiden Seiten der Grenze gleich aus 😉 Copacabana, besitzt auch einen Strand, erwies sich als sehr touristisch. Auf Grund von Strassenblockaden fuhren wir nicht Richtung La Paz, auch die „berühmte“ Todesstrasse liessen wir deswegen aus. Die Fähre über einen Zufluss des Titicacasees machte uns mit einer ersten unangenehmen Wahrheit von Bolivien vertraut: Ausländer zahlen immer mehr! Während Einheimische 3,67 BOB für einen Liter Benzin bezahlen, ist die offizielle Rate für Ausländer über 8 BOB. Auf dem Markt zahlte ich, je nach Marktfrau (oder Lust und Laune), bis zum Doppelten des Lokalpreises. Von den Eintritten zu Sehenswürdigkeiten ganz zu schweigen. Diese konnten bis zum Zehnfachen betragen.

Tiwanaku war eine der grössten und am längsten anhaltende Zivilisationen in Südamerika. Als die Inkas die Gegend erreichten, war die Stätte seit 500 Jahren verlassen. Der Besuch des archäologischen Parks zeigte uns etwas mehr als nur Steinhaufen – alles was die Konquistadoren nicht abtransportiert haben. Auch genossen wir die Gesellschaft unserer Freunde Mandi und John, neben deren Van wir schliesslich auf dem Parkplatz unser Zelt aufschlugen. -3°C erwies sich als Herausforderung für unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege für etwas mehr als 24 Stunden

Für 7 Franken kriegt man was geboten 😉

bis auch wir den schönen Zeltplatz in Cochabamba erreichten. Dort verbrachten wir nochmals drei Tage zusammen, dann zogen Thomas und ich nach Sucre weiter. In Boliviens „weisser Stadt“ nahm ich für zwei Wochen Spanisch-Unterricht, in der Hoffnung mein Spanisch doch noch etwas auf den Vordermann zu bringen. Dass das Resultat nicht zu meiner Zufriedenheit ausfiel, liegt nicht an der Lehrerin. Wenn es um spanische Konjugation geht, wird mein Hirn zum Löcherbecken 😦

Natürlich drängte mich meine Spanischlehrerin auch die Stadt zu erkunden – all die touristischen Orte. Allen voran der „Parque Cretácico“, auch „Ballsaal der Dinosaurier“ genannt. Hier hat die tektonische Bewegung einen ehemaligen Teich- oder Seeboden vertikal gestellt, wodurch über 5‘000 individuelle Dinosaurier-Fussabdrücke (462 Spuren von mindestens 15 verschiedenen Dinosauriertypen) eine Steilwand hochführen. „Johnny Walker“, ein Baby-T-Rex, hat mit seiner 347 m langen Spur einen Weltrekord gesetzt.

Ein Höhepunkt in Sucre war das Wiedersehen mit Coco, Takeshi und Wasabi; später auch mit Mandi und John. Ausserdem tauchten noch zwei Motorradfahrer, Greg und Jacob, in unserem Hostel auf. Kulinarischer Natur: das beste Cheesecake (amerikanischer Frischkäse-Kuchen) in ganz Bolivien!

Potosí erlangte mit seinen Minen einen zwielichtigen Weltruhm. Einst war sie, auf 4‘067 m gelegen, die reichste Stadt von Südamerika – dank dem Cerro Rico. Ein Berg, dessen Inneres an einen Emmentaler erinnert. Längst ist der grossangelegte Abbau eingestellt, doch die Arbeiten gehen weiter. Wir wollten uns auf keine Minen-Tour begeben. Grund unseres Besuches war Interesse am kolonialen Erbe, das in der ehemals reichsten Stadt wohl zu finden sein müsste. Nicht Dynamit, Coca und der Teufel, von den Bergleuten Tío (Onkel) genannt, den sie huldigen damit er sie nicht verschlingt. Wir fanden nur wenig Prunk, dafür einen netten Hauptplatz und, was für eine Überraschung, eine Fussgängerzone.

Was wäre Bolivien ohne den Salar de Uyuni? Die grösste Salzpfanne der Erde ist in der Trockenzeit gleissend weiss, in der Regenzeit jedoch einer der grössten natürlichen „Spiegel“ der Welt. Bekannt sind meist die verrückten oder Stern-Bilder. Wir wollten unser Zelt nicht auf der Salzfläche aufstellen, auch war Thomas alles andere als angetan von der Idee mit dem Motorrad 100 km oder mehr über eine Salzfläche zu fahren. Kompromiss – mit einem Motorrad zum Dakar-Monument (ebenfalls aus Salz) zu fahren. Das sind nur 15 km von der Asphaltstrasse. Die Rallye Dakar hat den Salar, seit sie in Südamerika ausgetragen wird, nur einmal überquert. Danach hat man, aufgrund der vielen technischen Ausfälle im Anschluss, auf eine Wiederholung der Erfahrung verzichtet.

Am nächsten Tag brachen wir mit Coco, Takeshi und Wasabi auf die Lagunas-Route auf. Nun ist die Lagunas-Route nicht, wie der Name vermuten liesse, eine strikt definierte Route. Nein, es gibt drei oder mehr Zugänge – denn das Ziel von allen ist die „Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa“. Je nach Zugang hat man mehr oder weniger Unterkünfte, mehr oder weniger Bergseen und angeblich auch mehr oder weniger „Wellblech“. Wellblech“: der Name sagt schon alles, wenn es um den Zustand einer Piste geht. Stellt euch vor ihr würdet mit Auto, Motorrad, Fahrrad oder was auch immer der gewählte fahrbare Untersatz über aktuelles Wellblech – in jedem Gartencenter und Baumarkt erhältlich – fahren. Wir hatten in Afrika und Asien ausgiebig diesen Luxus genossen. Tausende von Kilometern Motorrad zerlegendes, Plomben aus dem Gebiss schüttelndes, Wirbelsäule quetschendes Gehoppel. Es gibt kein Entkommen.

Wir waren etwas im Zweifel, ob Takeshi’s Toyota Sienna der Herausforderung der Lagunas-Route gewachsen sein würde. Die ersten 90 km waren Piste aller feinsten Sahne – zu fahren wie Asphalt. Dann wurde es etwas rauer. Unser Abzweig war unpopulär. Kein Tourenfahrzeug begegnete uns. An der Laguna Cachi schlugen wir unser einsames Lager auf. Der Wind und die Kälte trieben uns bald ins Zelt. Um die Kälte zu überstehen, hatten wir eine zusätzliche Decke gekauft. Auch trugen wir Icebreaker-Wollshirt, Weste, Softshelljacke, lange Unterhose, Socken und die Thermofutter der Motorradkleidung – Thomas sogar seine Fleece-Mütze – in den Schlafsack. Kalt war uns zwar nicht mehr, aber vor lauter Kleidung konnten wir auf 4‘500 m kaum atmen 😀

Früh zeigte das Thermometer -10°C im Zelt. An der Zeltwand über unseren Köpfen hatte sich eine kleine Eisschicht gebildet und am Aussenzelt hingen die Eiszapfen. Nach einigen etwas anspruchsvollen Kilometern bogen wir auf die westliche Hauptpiste zum Parkeingang ab. Jupiiiieeee, hier war unser bester Freund, das Wellblech. Hunderte von Spuren zieren den Altiplano, aber Entkommen gibt es keines. Zur Erreichung des „Baum aus Stein“ (Arból de Piedra) galt es ein grosses Sandfeld zu durchqueren. Normalerweise kein Problem, sondern viel Spass, doch auf dieser Höhe machte sich die miese Qualität des Benzins mehr als nur bemerkbar. Weiter ging es: Laguna Colorada,Laguna Verde, Laguna BlancaEine zweite Nacht verbrachten wir in einem einfachen Hotel, da wir nicht wie unsere japanischen Freunde einfach die Tür zu machen und den Wind ausschliessen konnten.

Diashow: Bolivien bis Salta (Argentinien)

Tag 3 auf der Lagunas-Route, mein Geburtstag, fand uns nur noch 100 km von San Pedro de Atacama in Chile wieder. Der Wind blies stetig, so dass wir für Bilder nicht mal den Helm absetzten. Coco, Takeshi und Wasabi wollten gerne noch eine weitere Nacht an einer der Lagunen bleiben. Thomas und mich jedoch zog es in die Zivilisation – der Traum von einem guten Abendessen und einem Glas Wein erwies sich als stärker. Die Piste zur Grenze war gut, danach sollte Asphalt sein. So hatten wir keine Skrupel den Toyota seinem Schicksal zu überlassen. Wir würden uns am nächsten Tag in San Pedro wieder sehen. An der Grenze (4‘480 m) meinte Thomas, der Entwicklungsstand der Länder beiden Länder liesse sich auf einen Blick erfassen. So auch die Grenzabfertigung: Bolivien, in einem kleinen Gebäude aus Lehmziegeln, wollte 15 BOB pro Person für eine Grenzabfertigung die offiziell gratis ist. In Chile empfing uns eine moderne Halle, die Windschutz bot, und eine Heizung 😉 Thomas war dann nicht ganz so angetan, als wir am Zoll alle Taschen öffnen mussten.

Das Abendessen in San Pedro war, mit einer Gruppe von anderen Motorradfahrern, nett – Pizza und Bier. Naja, wir würden das Geburtstagsessen am nächsten Tag nachholen… Falsch gedacht, mein Geburtstagsessen wurde mir am nächsten Tag von Ednei geschenkt – Brasilianisches Churrasco! Ednei, Leonard, Pepy und Jonathan sind vier brasilianische Motorradfahrer auf Urlaub.

Mit Leonardo und Ednei

Mit ihnen, den anderen Motorradfahrern und unseren japanischen Freunden verbrachten wir einen feuchtfröhlichen Abend, erneut bei Bier.

Dann ging es für uns weiter nach Argentinien.
Wir hatten grosse Pläne. Und bis heute sind es Pläne geblieben. Die chilenisch-argentinische Grenze liegt auch wieder auf 4‘200 m, ohne grössere Infrastruktur. Die Tankstelle ignorierten wir, was sich als grosser Fehler erwies. Denn wir mussten unsere Pläne aufgeben, jagten stattdessen Geld und Benzin hinterher. So landeten wir, nach einer kurzen Verschnaufpause in Purmamarca, bereits in der argentinischen Stadt Salta – schweissgebadet. Nach den eisigen, windigen Höhen des Altiplanos und den moderaten Temperaturen in San Pedro empfing uns Salta mit 34°C.

Bolivien im Rückblick: Landschaft – schön, aber wahrscheinlich wesentlich eindrucksvoller für Reisende aus Chile oder Argentinien kommend,

Lagunas-Route

als wenn man bereits 2 Monate in den Peruanischen Anden verbrachte. Sicher hat Bolivien seine Müllhaufen, entlang der Hauptstrassen, in und um die Städte/Orte – doch die haben Peru, Mexiko und andere Länder auch. Zur Behandlung der Frauen kann ich nichts sagen. Irgendwie falle ich als Motorradfahrerin in eine andere Kategorie. Was mir meine Spanischlehrerin erzählt hat, scheint doch eher rückständig zu sein. Die Frau zieht zur Familie des Mannes. Auch sind gewaltsame Übergriffe wohl keine Seltenheit, sondern etwas womit bolivianische Frauen leben müssen.

Island – wo einst die Trolle wandelten

Die wilde Schönheit einer rauen Natur mit Wasserfällen, brodelnder Erde und Geysiren. Gletscher, die direkt neben der Strasse kalben. Wer den wetterbedingten Herausforderungen trotzt, findet im Hochland Pisten jeden Schwierigkeitsgrades. Mag man es lieber gemütlich findet man sein Glück auf der Ringstrasse.

26_SvinafellsjökullDer Rest der Geschichte, die nicht zu unserer Weltreise gehört, sowie Fotos kann wer will im Moto Sport Schweiz, 20/2018, vom 18. Oktober 2018 lesen bzw. ansehen.

Bunte Berge, Grabtürme und schwimmende Inseln

Nachdem uns die peruanische Zollbehörde schon so nett darauf hingewiesen hatte, dass wir nicht mehr sehr viel Zeit in ihrem Land verbringen sollten, brachen wir Richtung Süden auf.

Zwei Zwischenstopps hatten wir in Planung: den Regenbogenberg und die Grabtürme von Sillustani.

Den Regenbogenberg wollten wir zwar gerne sehen, fühlten uns aber nicht dazu berufen mehr als 5 Stunden zwischen 4‘200 und 5‘200 m rum zu spazieren. Wir hatten jedoch von einem kürzeren Zugang gehört und diesen wollten wir nun auch ausprobieren. Die Abzweigung von der Hauptstrasse sah nicht vielversprechend aus. Doch freundliche Fussgänger unterwegs bestätigten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Der Zustand der Strasse bereitete uns nicht auf die Anzahl an Taxis, Minibussen und Reisebussen vor, die wir an ihrem Ende antrafen.

Es war so kalt, dass wir die Motorradhosen gerne anliessen. Die Stiefel tauschten wir gegen unsere Treckingschuhe; schnallten sie und Jacken auf das Motorrad.

Die Wanderung war tatsächlich kürzer. Wir brauchten 2 Stunden bis hin. Der Hauptverkehr war in die Gegenrichtung – zurück zum Parkplatz. Etwas unterschätzt hatte ich die Wärme und das Gewicht meiner Motorradhose 😀Doch wir erreichten den Aussichtspunkt auf etwas über 5‘000 m. Während wir noch die Farben des Berges bewunderten, zogen Wolken rein. Der Rückweg verlief viel schneller als der Hinweg. Doch obwohl es bergab ging, entkamen wir dem Schneegestöber nicht ganz. Zum Glück war es, wie immer, nur eine Wolke.

Die Grabtürme von Sillustani sind nur einige Kilometer von der Hauptstrasse nach Bolivien entfernt. Sie liegen idyllisch gelegen am See auf Hügeln. Leider wurden sie alle, wie die meisten ihrer Art, schon vor langer Zeit geplündert. Die Mumien, die Grabbeigaben, einfach alles. Diese Türme waren in gewissen Kulturen weitverbreitet und als Chullpa bekannt.

Wir hatten immer noch ein paar Tage Zeit, bevor wir über die Grenze mussten. Was uns durch ein nettes Email der Zollbehörde erneut bestätigt wurde. So unternahmen wir noch einen kleinen Ausflug auf den Titicaca-See. Wir besuchten die schwimmenden Inseln von Uros. Diese werden im Seeboden verankert damit sie nicht mit der Strömung ziehen und plötzlich in Bolivien landen. Der Schilf aus dem die Inseln bestehen muss ständig neu geschnitten und aufgestockt werden. Die Häuser darauf halten etwa 6 Monate. Trinkwasser kann durch das gleiche Loch bezogen werden in dem auch Fische gefangen werden können. Es ist ein eigenartig schwammiges, federndes Gefühl auf dem Schilf zu laufen. Mag sein, dass es früher anders war. Doch heute ist das Ganze extrem touristisch. So durfte auch beim Besuch dieser Insel der Souvenirstand nicht fehlen. Nach diesem extrem touristischen Erlebnis war es Zeit von Peru Abschied zu nehmen.

A good traveler has no fixed plans